Politik

Buch Donald Trumps Nichte warnt vor Wiederwahl / Klinische Psychologin bezeichnet Regierungschef als Soziopath

Psychogramm des Präsidenten

Archivartikel

Washington.Der Untertitel ihrer Memoiren verrät die Motivation Mary Trumps, nach Jahren des Schweigens vier Monate vor den Wahlen der Öffentlichkeit intimen Einblick in die Geschichte ihrer Familie zu geben. Sie verspricht, in dem Buch zu erklären, „wie meine Familie den gefährlichsten Mann der Welt geschaffen hat“. Die Autorin kann nicht nur als enges Familienmitglied den Schleier vor den Geheimnissen des Trump-Clans zurückziehen. Als promovierte klinische Psychologin hat die 55-Jährige auch die professionelle Expertise, ein Psychogramm des Präsidenten zu liefern.

Das Bild, das sie über 210 Seiten zeichnet, gibt Anlass, alarmiert zu sein. Oder um es mit den Worten der Autorin zu sagen: „Wenn er es schafft eine zweite Amtszeit zu bekommen, brächte dies das Ende der amerikanischen Demokratie.“ Warum? Nicht, weil ihr Onkel eine besondere Agenda oder Ideologie habe. „Ich hoffe das Buch beendet die Praxis, auf Donalds Strategien oder Agenden Bezug zu nehmen, als hätte er Leitprinzipien“, schreibt Mary. „Er hat keine“.

Sie beschreibt Trump als empathielosen Menschen, „der selber niemals geliebt worden ist“. Wie Vater Fred Trump Senior seine Kinder gegeneinander aufgebracht hätte, regiere Donald Trump die USA, indem er nun die Amerikaner auseinander dividiere. „Er lügt, sucht den kleinsten gemeinsamen Nenner, betrügt und sät Zwietracht“. All das habe er von dem Begründer des Bauimperiums gelernt, der seinen Stammhalter Fred Junior, Marys Vater, für einen Versager gehalten habe. Donald habe das Verhalten seines Vaters genau beobachtet und kopiert. Der Präsident habe seinen älteren Bruder gehänselt und für sein mangelndes Interesse an dem Baugeschäft gerügt. Mit 41 Jahren verstarb Marys Vater infolge seines Alkoholismus.

Keine Toleranz für Widerstand

Alle Kinder von Fred Trump Seniors hätten diesen regelmäßig angeschwindelt, um seinen Launen zu entgehen. Donald „log in erster Linie, um sich größer zu machen als er ist, und andere zu überzeugen, dass er besser sei, als er tatsächlich war.“ Damit habe er auch seinen Vater beeindruckt, der immer einen Erben für sein Geschäft wollte, der die Qualitäten eines „Killers“ habe. Mary Trump beschreibt ihren Großvater als Soziophaten, der „andere für seine Zwecke einspannte“. Donald habe sich dafür angeboten, „weil seine Persönlichkeit seinem Vater half.“ Dieser habe „Rücksichtslosigkeit und Effizienz“ geschätzt und „keine Toleranz für Widerspruch oder Widerstand“ gehabt. Mit demselben Killerinstinkt sei Donald Trump später gegen die Kinder seines verstorbenen Bruders vorgegangen, als er diese um ihren Erbanteil zu betrügen versuchte.

Mary und ihr Bruder Fred III. zogen vor Gericht und einigten sich im April 2001 auf einen Vergleich. Dieser verbot der Autorin, Details des Familienstreits öffentlich zu machen. Der Präsident versuchte den Vergleich als Hebel zu benutzen, die Publikation des Buchs zu verhindern. Ohne Erfolg. Zumal alle großen US-Medien inzwischen Vorab-Exemplare des Bestsellers haben.

Besonders brisant ist die Aussage Marys, dass Trump die Aufnahme in die Eliteschule „Wharton School of Finance“ nur mit der Hilfe eines Freundes geschafft habe. Die Autorin outet sich auch als Quelle der Berichterstattung der New York Times über den Steuerbetrug Trumps und seine massive Verschuldung in den 80er und 90er Jahren.

Extrem angreifbar

Mary Trump leitet aus der persönlichen und professionellen Entwicklung ihres Onkels „dessen abnormales Verhalten“ im Weißen Haus ab. „Donald ist völlig unvorbereitet, seine eigenen Probleme zu lösen“, diagnostiziert sie seine Überforderung. Dies mache ihn „extrem angreifbar durch Manipulation von klügeren, mächtigeren Männern“. Was Trumps Bewunderung für Diktatoren und Autokraten wie Wladimir Putin, Xi Jinping oder Recep Erdogan zu erklären hilft.

Der Wahltag 2016 sei „die schlimmste Nacht in meinem Leben“ gewesen, schreibt Mary Trump, die eindringlich davor warnt, ihrem Onkel eine zweite Amtszeit zu geben. Schon für seine erste Wahl verdienten die USA, angeprangert zu werden. „Ich trauere für unser Land.“

Zum Thema