Politik

Christchurch Angeklagter schweigt vor Gericht

Psychologen prüfen Täter

Archivartikel

Christchurch.Ein Mann in Grau, der kein Wort sagt: So hat sich der mutmaßliche Attentäter von Christchurch vor Gericht präsentiert. Drei Wochen nach dem Anschlag auf zwei Moscheen mit 50 Todesopfern ließ der Australier Brenton Tarrant – ein Rechtsextremist und Rassist – seine Anwälte sprechen. Der 28-Jährige war bei dem Termin im Gerichtsgebäude von Christchurch gestern nicht persönlich dabei, sondern wurde über eine Videoleitung zugeschaltet. Tatsächlich saß er 1000 Kilometer entfernt in Neuseelands einzigem Hochsicherheitsgefängnis in Auckland.

Das Gericht ordnete an, dass Tarrant psychiatrisch untersucht wird. Damit soll geklärt werden, ob er überhaupt prozessfähig ist. Dies ist in Neuseeland üblich. Der Australier machte bei der 30-minütigen Anhörung den Eindruck, als ob ihn das alles nicht interessiere. Er schaute eher gelangweilt durch die Gegend. Der ehemalige Fitnesstrainer zeigte keinerlei Emotionen – auch nicht, als ihm 50-facher Mord und Mordversuch in 39 Fällen zur Last gelegt wurden, das schlimmste Verbrechen in Neuseelands jüngerer Geschichte. Bei einer Verurteilung droht ihm lebenslang Gefängnis. Für einen Prozess gibt es noch keinen Termin.

Vor der Anhörung hatten viele gemutmaßt, dass Tarrant die Gelegenheit nutzen könnte, um seine rassistischen Parolen zu verbreiten. Richter Cameron Mander ließ jedoch weder Foto- noch Filmaufnahmen zu. Der mutmaßliche Täter musste in Handschellen und grauer Anstaltskleidung erscheinen. Er machte dann auch gar nicht erst den Versuch, das Wort zu ergreifen. dpa