Politik

Digitalrat Bundesregierung will sich bei dem Zukunftsthema den Rat von Experten holen

Querdenker sollen antreiben

Archivartikel

Berlin.Kein Kapitel im Koalitionsvertrag ist so lang geraten wie das zur Digitalisierung. Und es ist außerordentlich detailliert, von Breitbandausbau bis E-Government, von Digitalpakt bis Cybersicherheit. Dennoch glaubt die Bundesregierung, sich von unabhängigen Fachleuten beraten lassen zu müssen. Gestern wurde ein Digitalrat ins Leben gerufen und setzte sich gleich nach der Kabinettssitzung mit einigen Ministern zusammen. Die Aufgabe laut Kanzlerin Angela Merkel (CDU): „Uns antreiben.“

Das Gremium ist klein, aber fein. „Schlagkräftig“, nannte es Merkel. Es besteht aus zehn Experten, sechs Männern, vier Frauen, denen gemeinsam ist, dass sie auch international bestens vernetzt sind. Man will über den Tellerrand blicken. „Wir haben schon viel getan, aber wir glauben, dass man noch besser werden kann“, sagte Merkel.

Der Kanzlerin, die das Internet einst als „Neuland“ bezeichnete, muss niemand sagen, wie wichtig der digitale Wandel ist. Spätestens bei ihren Reisen nach China hat sie gesehen, dass andere dabei sind, Deutschland und Europa zu überholen. Und sie weiß, dass der Wohlstand des Landes davon abhängt, hier Boden gut zu machen. In der Sommerpause hatte sich Merkel nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ von einem Experten die aktuellen Entwicklungen der digitalen Welt erklären lassen.

Vorsitzende Katrin Suder

Chefin des Digitalrats ist Katrin Suder (46), die bis Anfang des Jahres Staatssekretärin im Verteidigungsministerium war und dort die Rüstungsbeschaffung neu sortierte. Die Schnelldenkerin und -sprecherin kommt ursprünglich von der Wirtschaftsberatungsgesellschaft McKinsey und gilt als durchsetzungsstark. Ihr Staatsamt hatte Suder Anfang des Jahres sehr zum Bedauern von Ministerin Ursula von der Leyen (CDU) aufgegeben, um sich mehr ihren drei Kindern widmen zu können; den Digitalrat betreut sie nun ehrenamtlich.

Auch die anderen Mitglieder bekommen für ihre Tätigkeit nur eine Aufwandsentschädigung für Reisekosten. Zu der Runde gehören unter anderen der Schweizer Harvard-Professor Urs Gasser, ein Experte für Informationsrecht, die Rektorin der Fernuniversität Hagen, Ada Pellert, der auf E-Government spezialisierte Österreicher Viktor Mayer-Schönberger, der Hirnforscher Andreas Weigand aus San Francisco und erfolgreiche Gründer wie die Rostockerin Stephanie Kaiser (Heartbeat Labs) oder der Wolfsburger Ijad Madisch (ResearchGate).

Suder ist die Mischung des Gremiums wichtig, auch die Praxisnähe. Die Veränderungen der Arbeitswelt, die Vermittlung digitaler Kompetenzen in der Bildung, der Umgang mit Daten, Hilfen für die Gründerszene und digitale Verwaltung, das sind die Themenfelder, mit denen sich der Rat beschäftigen soll. „Auf ein weltweit führendes Niveau“ soll Deutschland kommen, so die Zielformulierung in einem Eckpunktepapier des Kabinetts.