Politik

Migration Weiteres Schiff nimmt Flüchtlinge auf

Rackete will klagen

Rom/Berlin.Nach dem Drama um das Rettungsschiff „Sea-Watch 3“ hat nun eine andere deutsche Hilfsorganisation Migranten vor Libyen mit ihrem Schiff aufgenommen. Die „Alan Kurdi“ habe 65 Menschen in internationalen Gewässern auf einem überladenen Schlauchboot vor Libyen entdeckt und gerettet, teilte die Regensburger Organisation Sea-Eye am Freitag mit.

Die „Alan Kurdi“ könne nicht nach Italien fahren – auch nicht im Fall einer späteren Weiterverteilung der Migranten auf weitere Staaten, machte der italienischen Innenminister Matteo Salvini deutlich. Zunächst sah allerdings nichts danach aus, dass die Bundesregierung ihren Kurs mit Blick auf gerettete Migranten im Mittelmeer ändern würde. Sie hatte sich in der Vergangenheit stets bereiterklärt, Schutzsuchende aufzunehmen – jedoch unter der Voraussetzung, dass auch andere Staaten einwilligen.

Kritik an Bundesregierung

Die Kapitänin der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch kündigte derweil an, Salvini wegen Verleumdung zu verklagen. „Wir haben bereits eine Klage vorbereitet“, sagte Racketes Anwalt Alessandro Gamberini dem Radio Cusano Campus am Freitag. Salvini habe nicht nur Beleidigungen ausgesprochen, sondern auch zu strafbaren Handlungen angestiftet. Das sei noch schwerwiegender, wenn es ein Innenminister tue, sagte Gamberini.

Kapitänin Rackete meldete sich am Freitag erstmals seit ihrer Freilassung aus dem Hausarrest zurück – mit Kritik an der Bundesregierung. Sie habe den Eindruck, dass auf nationaler und internationaler Ebene niemand richtig helfen wollte, während die „Sea-Watch 3“ auf eine Anlegeerlaubnis wartete, sagte sie dem „Spiegel“.

Derzeit wartet bereits ein weiteres Rettungsschiff der italienischen Hilfsorganisation Mediterranea mit mehr als 50 Migranten auf den Einlass in einen sicheren Hafen. dpa