Politik

Katastrophe Mehr als 170 Passagiere nahe Teheran gestorben / Blackbox in den Trümmern entdeckt

Rätsel um Flugzeugunglück

Archivartikel

Teheran/Kiew.Von der Boeing 737 auf ihrem Flug vom Iran in die Ukraine sind nur noch Trümmer übrig geblieben. Rettungskräfte suchen am Mittwoch auf einem Feld zwischen den verkohlten Überresten der Maschine nach Überlebenden. Schnell ist klar: Niemand hat den Absturz der ukrainischen Passagiermaschine unweit des Flughafens der iranischen Hauptstadt Teheran überlebt. Mehr als 170 Menschen sterben. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist geschockt. Er spricht von „schrecklichen Nachrichten aus dem Nahen Osten“. Die Ukraine will nun alle möglichen Ursachen prüfen – denn der Absturz weckt schlimme Erinnerungen.

Stunden nach dem Absturz ist völlig unklar, weshalb die Maschine von Ukraine International Airlines kurz nach dem Start zu Boden stürzte. Der Vorfall fällt in die politisch angespannte Lage in dem Land. In den vergangenen Tagen hat sich der Konflikt des Irans mit den USA dramatisch zugespitzt. Ob es einen Zusammenhang gibt, ist unklar.

Der Präsident der Airline, Jewgeni Dychne, ringt mit Worten, als er in Kiew vor Journalisten tritt. „Es war eines unserer besten Flugzeuge, mit einer ausgezeichneten zuverlässigen Mannschaft“, sagt er sichtlich bewegt. Die Maschine sei erst seit 2016 für das Unternehmen im Einsatz, das 1992 gegründet wurde und seither noch keine großen Unglücke hatte. Die Boeing des Typs 737-800 NG sei erst am Montag überprüft worden – ohne Probleme, wie die Fluggesellschaft beteuert.

Defekte Technik?

Wie viele Menschen genau an Bord waren, ist auch Stunden nach dem Vorfall nicht völlig klar. Der Iran spricht zunächst von 179 Menschen, die Ukraine von 176. Die Bundesregierung geht nicht davon aus, dass bei dem Flugzeugabsturz nahe Teheran Deutsche ums Leben gekommen sind. „Wir haben derzeit keine Erkenntnisse, nach denen sich deutsche Staatsangehörige unter den Opfern des Flugzeugabsturzes in Iran befinden“, hieß es am Mittwoch aus dem Auswärtigen Amt. Laut ukrainischen Angaben war zunächst von drei deutschen Opfer die Rede. Nach Angaben des ukrainischen Außenministers stammten die Opfer aus sieben Ländern. 82 seien Iraner gewesen, 63 stammten aus Kanada. Unter den Opfern seien auch Briten, Schweden, Ukrainer und Afghanen.

Was genau in den letzten Minuten von Flug PS 752 von Teheran nach Kiew geschah, darauf könnte die Blackbox mit den Flugdaten Antworten geben. Sie wurde nach iranischen Angaben zwischen den Trümmern gefunden.

Die Maschine hatte der Airline zufolge nach dem Start bereits eine Höhe von 2400 Metern erreicht, bevor es zum Absturz kam. „Die Wahrscheinlichkeit für einen Fehler der Besatzung ist minimal“, meint der Vizepräsident der Fluggesellschaft Igor Sosnowski.

Die iranischen Behörden haben recht schnell eine mögliche Ursache präsentiert: Die Luftfahrtbehörde sprach Medienberichten zufolge von einem technischen Defekt. Auf welcher Grundlage diese Einschätzung beruhte, blieb offen. Selenskyj sagt dazu nur: „Ich bitte alle sehr, von Spekulationen und der Verbreitung ungeprüfter Versionen zur Katastrophe bis zur Veröffentlichung offizieller Informationen Abstand zu nehmen.“

„Prüfen alle mögliche Versionen“

In der Ukraine weckt der Absturz Erinnerungen an den Abschuss der malaysischen Passagiermaschine MH17 2014 über der Ostukraine. Damals wurden 298 Menschen unter bis heute nicht völlig geklärten Umständen durch eine Luftabwehrrakete plötzlich in den Tod gerissen. „Wir müssen alle möglichen Versionen prüfen“, ließ Selenskyi über seinen Pressedienst mitteilen. Den Generalstaatsanwalt wies er an, ein Strafverfahren einzuleiten. Alle Maßnahmen werde er persönlich kontrollieren. Dazu beendet er auch seinen Aufenthalt im Sultanat Oman auf der arabischen Halbinsel. dpa

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