Politik

Soziales Weniger Amtsdeutsch und keine seitenlangen Tabellen

Rentenversicherung vereinfacht ihre Bescheide

Archivartikel

Berlin.Mitfühlend klingen Schreiben der Verwaltung trotz mancher Anstrengung noch selten. „Die Rente beginnt mit Ablauf des Sterbemonats“, hieß es bei der Deutschen Rentenversicherung (DRV) zum Beispiel in einem Schreiben an den Witwer, „weil für die Versicherte im Sterbemonat Rente gezahlt wurde.“ Derlei Amtsdeutsch ersetzt die DRV nun durch eine leicht verständliche und persönliche Ansprache. „Ihre Rente beginnt am 1.3. 2013, weil für die Versicherte im Februar 2013 noch Rente gezahlt wurde“, heißt es im neuen Vordruck.

„Es sind manchmal Kleinigkeiten, die zu mehr Transparenz führen“, sagt Burkhard Margies vom Deutschen Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung in Speyer. Er unterstützt die Rentenkasse bei der Überarbeitung der Bescheide von der Reha bis zur Altersrente. Rund 10 000 Textbausteine müssen neu formuliert werden. Wie lange das dauern wird, ist noch unklar.

Die Schwächen der alten Bescheide sind offensichtlich. Sie führen auf jeder Seite statt eines Namens nur eine Versicherungsnummer auf. Auch finden sich seitenlange Berechnungen, mit denen kaum jemand etwas anfangen kann.

Ein Teil der sprachlichen Renovierungsarbeiten ist bereits erledigt. Wer heute einen Rentenbescheid erhält, findet gleich auf der ersten Seite die wichtigsten Zahl: Wie viel Geld es gibt. Es gibt ein Inhaltsverzeichnis und statt des Verweises auf nummerierte Anlagen steht da, worum es sich dabei handelt.

Porto fällt geringer aus

300 000 Euro im Jahr lässt sich die Rentenversicherung die Hilfe des Instituts kosten. Doch das Geld ist gut angelegt, denn die Einsparungen aus der Vereinfachung sind laut DRV deutlich höher. Die Bescheide umfassen keine im Porto teuren Papierberge mehr. Und es gibt weniger Beratungsbedarf.

Forscher Margies sieht einen Trend zur leichten Sprache. Die Verwaltungen würden sich immer mehr als Dienstleister verstehen. Die Bürger dürften es dankbar annehmen. Einer zwar schon älteren Umfrage des Allensbach-Instituts von 2008 zufolge haben 86 Prozent der Bürger Probleme mit dem Verständnis amtlicher Schreiben. Bei Akademikern ist der Anteil geringfügig niedriger.