Politik

Parlamentswahl in Israel Benjamin Netanjahus Likud und Bündnis von Benny Gantz nach Prognosen gleichauf

Rivalen erklären sich beide zum Sieger

Jerusalem.Noch am Tag der Wahl in Israel kämpft der rechtskonservative Amtsinhaber Benjamin Netanjahu unerbittlich um jede Stimme: Bei strahlendem Sonnenschein geht der 69-jährige Ministerpräsident an den Mittelmeerstrand, um Badegäste davon zu überzeugen, in die Wahllokale zu eilen. „Wer lieber am Strand bleibt, statt zu wählen“, werde am nächsten Tag mit einer linken Regierung aufwachen. Immer wieder warnt er vor einer Niederlage seiner Likud-Partei und einem Sieg seines stärksten Rivalen, des Ex-Militärchefs Benny Gantz. Auch der 59-jährige Gantz ruft seine Anhänger dazu auf, abstimmen zu gehen. Der Sieg sei zum Greifen nah. „Wer nicht wählen geht, lässt Netanjahu an der Regierung“, warnt er.

Am Abend ist dann nach ersten Prognosen kein klarer Sieger in Sicht. Dennoch erklären sich die Rivalen nur Minuten nach der Veröffentlichung zum Sieger der Wahl. „Der rechte Block unter Führung des Likud hat eindeutig gesiegt. Ich danke den israelischen Bürgern für ihr Vertrauen. Ich werde noch heute Nacht damit beginnen, gemeinsam mit meinen natürlichen Partnern eine rechte Regierung aufzubauen“, sagte Netanjahu. Benny Gantz und sein Mitstreiter Jair Lapid kontern sofort: „Wir haben gesiegt! Die israelische Öffentlichkeit hat gesprochen. (...) Die Wahl hat einen klaren Sieger und einen klaren Verlierer.“

Überraschung möglich

Bis zuletzt hatte sich ein knapper Wahlausgang abgezeichnet, ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Netanjahus Likud und Gantz’ Bündnis der Mitte, Blau-Weiß. So ließ sich Jediot Achronot, die auflagenstärkste kostenpflichtige Zeitung des Landes, angesichts des ungewissen Ausgangs am Tag der Wahl auch alle Optionen offen: Auf ihrer Titelseite zeigte sie wie bei einem Kartenspiel spiegelverkehrt Porträts der beiden Rivalen. Neben beiden stand jeweils: „Der nächste Ministerpräsident.“

Prognosen lagen in Israel schon häufiger daneben. Bis zur Auszählung aller Stimmen kann es gerade bei knappen Wahlausgängen immer noch Überraschungen geben. Wie etwa 1996, als der inzwischen verstorbene Staatspräsident Schimon Peres als Kandidat der sozialdemokratischen Arbeitspartei gegen Netanjahu angetreten war. Damals war Israel „mit Peres schlafen gegangen und mit Netanjahu aufgewacht“.

Bei der letzten Wahl im Jahr 2015 zeigten die Prognosen einen Gleichstand zwischen dem oppositionellen Mitte-Links-Bündnis und Netanjahus Likud. Am Morgen lag der Likud jedoch nach Auszählung der Stimmen klar in Führung. dpa