Politik

Statistik Lokale Ausbrüche beeinflussen Reproduktionszahl

RKI gibt Entwarnung beim R-Wert

Archivartikel

Berlin.Seit die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, auf über 1 gestiegen ist, wächst die Sorge in Deutschland. Breitet sich das Coronavirus aufgrund der Lockerungen wieder schneller aus? Droht ein erneuter Shutdown? Das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin hat vorerst Entwarnung gegeben.

Zum Hintergrund: Die Reproduktionszahl drückt aus, wie viele Menschen eine infizierte Person im Durchschnitt ansteckt. Bei einem R-Wert von 3 wird die Krankheit an drei Personen weitergegeben. Bei 1 wird eine weitere Person infiziert. Alles was unter 1 liegt, entspricht einem Abflauen der Epidemie und ist erklärtes Ziel des RKI.

Den jüngsten Anstieg wertet die Bundesbehörde dennoch nicht als Alarmzeichen. Der Grund: Bei sinkenden Fallzahlen wirken sich einzelne Ausbrüche wie in Schlachthöfen besonders stark aus. „Wir können abschätzen, dass diese die Reproduktionszahl angehoben haben“, erklärte RKI-Vizepräsident Lars Schaade am Dienstag.

Gewisse Unsicherheiten

Die Behörde will daher in Zukunft zusätzlich zur normalen Reproduktionszahl auch einen sogenannten geglätteten R-Wert mitteilen. Fälle aus lokal begrenzten Ausbrüchen werden dafür herausgerechnet, Trends lassen sich so längerfristig abbilden. „In der vergangenen Woche lag dieser stabile R-Wert an keinem Tag über 1“, betonte Schaade.

Auch wenn die Reproduktionszahl zentral ist, um die Entwicklung beurteilen zu können, hat sie doch ihre Tücken. So wird sie auf Basis verschiedener Schätzungen berechnet, enthält dadurch gewisse Unsicherheiten. Dazu kommt, dass der R-Wert das Infektionsgeschehen von vor eineinhalb Wochen abbildet. Der Montag gemeldete Wert von 1,07 etwa bezieht sich auf die Situation vom 28. April bis 3. Mai. Das liegt daran, dass einige Fälle erst Tage später gemeldet werden. Und letztlich gibt es nach wie vor eine Dunkelziffer, die nicht in den Berechnungen enthalten ist. (mit dpa)

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