Politik

Frankreich Präsident Macron kündigt Ausgangssperren ab 21 Uhr in der Hauptstadt und acht weiteren Metropolen an

Rückschlag für Nachtschwärmer

Paris.Ausgiebiges Feiern bis in die Nacht hinein ist einem großen Teil der Franzosen künftig nicht mehr erlaubt. Von Samstag an gilt in der Hauptstadtregion sowie acht weiteren Metropolen, darunter Lille, Lyon und Marseille, eine Ausgangssperre zwischen 21 Uhr und 6 Uhr – und das für mindestens vier Wochen. Damit sollen private Feiern reduziert werden, die als Hauptursache für die starke Verbreitung des Coronavirus gelten. Für das ganze Land führt Frankreich den Gesundheitsnotstand wieder ein, in dem der Premier weitreichende Kompetenzen erhält, darunter auch die Entscheidung über lokale Lockdowns.

Das waren die Hauptbotschaften, die Präsident Emmanuel Macron in einem Fernseh-Interview verkündete. Heute 20 Jahre alt zu sein, sei hart, räumte er ein: „Sie müssen fürchterliche Opfer machen.“ Eine Verschärfung der bestehenden Regeln war längst befürchtet worden, vor allem von den Gastronomen und Beschäftigten in der Kulturbranche.

Macron versprach staatliche Hilfen für Bars und Restaurants, Kinos, Theater und andere kulturelle Einrichtungen, über die Aufrechterhaltung der großzügigen Kurzarbeiter-Regelungen hinaus. „Ich will nicht, dass unsere Selbstständigen, unsere kleinen und mittleren Unternehmen pleite gehen“, so der Präsident. Mehrmals betonte er, die Menschen sollten weiter arbeiten, wenn möglich im Homeoffice: „Unsere Wirtschaft braucht es, unsere Gesellschaft braucht es, wir brauchen es.“

Kritiker wie der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon monieren, dass 60 Prozent der Ansteckungen tagsüber in Schulen, Universitäten und Arbeitsplätzen erfolgten. Die aktuelle Entwicklung mit ständig steigenden Infektionszahlen nannte Macron „besorgniserregend“: Im Schnitt wurden zuletzt pro Tag 20 000 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet.

Frankreich führt derzeit 1,3 bis 1,4 Millionen Tests pro Woche durch, doch die Ergebnisse lassen aufgrund der hohen Arbeitsbelastung für die Labore meist mehrere Tage auf sich warten – das soll beschleunigt werden. Rund 33 000 Menschen, die sich infiziert haben, sind seit Ausbruch der Pandemie gestorben. Im Großraum Paris sind 44 Prozent der Betten auf den Intensivstationen mit Covid-19-Patienten belegt.

Die Krankenhäuser warnen vor baldigen Engpässen, wie es sie bereits bei der ersten Welle der Pandemie in manchen Gegenden gegeben hat. Das Versprechen, die Zahl der Intensivbetten in Frankreich bis zum Herbst auf 12 000 zu erhöhen, konnte die Regierung nicht einhalten; auch fehlt es an ausreichendem Pflegepersonal. Besonders angespannt ist die Situation in und um Paris, wo inzwischen 433 von 100 000 Einwohnern infiziert sind.

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