Politik

Abrüstungsvertrag Auch Moskau kündigt Abkommen auf

Russland baut neue Raketen

Archivartikel

Moskau/Washington.Nach der Aufkündigung des wichtigen Abrüstungsvertrages für atomar bewaffnete Mittelstreckenwaffen durch die USA und Russland will der Kreml neue Raketen bauen lassen. Demnächst werde mit der Produktion einer landgestützten Hyperschallrakete mittlerer Reichweite begonnen, kündigte Präsident Wladimir Putin am Samstag an. Neue Mittelstrec-kenraketen sollen nur dann stationiert werden, wenn Washington dies tue. Am Wochenende warfen sich beide Atommächte erneut vor, den Vertrag von 1987 zu verletzen.

US-Außenminister Mike Pompeo erklärte am Samstag: „Die USA können nicht länger an den Vertrag gebunden sein, während ihn Russland offen bricht.“ Putin kündigte am selben Tag an, das Abkommen auszusetzen. Sein Außenminister Sergej Lawrow sagte zur Begründung, Amerika verletze den Vertrag seit 1999 mit dem Einsatz von Kampfdrohnen. Zudem verstoße Washington mit der Raketenabwehr in Europa gegen das Abkommen.

Sechs Monate Zeit bleibt noch

Der INF-Vertrag zwischen den USA und der damaligen Sowjetunion untersagt den Bau und Besitz landgestützter, atomar bewaffneter Raketen oder Marschflugkörper mit einer Reichweite von 500 bis 5500 Kilometern. Die Abkürzung INF steht für „Intermediate Range Nuclear Forces“, auf Deutsch: nukleare Mittelstreckensysteme. Bis der Vertrag nach der Kündigung endgültig ausläuft, bleiben aber – zumindest theoretisch – noch sechs Monate Zeit für eine Beilegung des Streits.

Russland hatte bereits Ende vergangenen Jahres einen neuen Raketentyp mit Hyperschallgeschwindigkeit bei einem Test von einer Basis südlich des Urals abgefeuert. Die Interkontinentalrakete könne mit 20-facher Schallgeschwindigkeit in der Atmosphäre fliegen und nicht abgefangen werden, hieß es. Die Rakete „Avantgarde“ solle bald in Dienst gestellt werden, kündigte Putin damals an. Damit werde die Sicherheit seines Landes gewährleistet.

In vielen Teilen der Welt löste die Ankündigung aus Washington Sorge vor einem neuen atomaren Wettrüsten aus. Die Nato hat nach den Worten von Generalsekretär Jens Stoltenberg keine Absicht, neue Atomwaffen bodengestützter Art in Europa zu stationieren. dpa