Politik

Parteitag Hessische Genossen stellen sich für Abstimmung Ende Oktober auf / Inhaltlicher Schwerpunkt wird bezahlbarer Wohnraum

Schäfer-Gümbel führt SPD in Wahlkampf

Wiesbaden.Am Schluss seiner einstündigen Rede auf dem SPD-Landesparteitag in Wiesbaden spricht Thorsten Schäfer-Gümbel auch offiziell nicht mehr nur zu den Genossen aus der Sozialdemokratie. „Liebe Hessinnen und Hessen, ich will Ihr nächster Ministerpräsident sein“, ruft der 48-jährige Partei- und Fraktionschef aus, noch bevor er von den 344 Delegierten erst stürmisch gefeiert und schließlich mit 95,76 Prozent zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl am 28. Oktober gekürt wird. Keine Frage: Mit dem Kongress der größten Oppositionspartei im neugebauten Wiesbadener Rhein Main Congresscenter ist der Wahlkampf in Hessen offiziell eröffnet.

An genau derselben Stelle wird nächsten Samstag auch die CDU ihre Landtagsliste aufstellen. Dass die Umfragen Schäfer-Gümbel und die SPD bislang nicht als Favoriten für einen Wahlsieg ausweisen, dämpft den Optimismus der Genossen kaum. Die Frankfurter Bundestagsabgeordnete Uli Nissen berichtet von ihrem Besuch im Berliner Olympiastadion drei Wochen zuvor: „Der Eintracht hätte auch keiner den Pokalsieg gegen die Bayern zugetraut, und sie hat es doch geschafft.“ Und Schäfer-Gümbel verkündet sogar eine Art Regierungsprogramm: In den ersten 100 Tagen nach seinem Amtsantritt als Ministerpräsident werde er 100 000 Quadratmeter Bauland ausweisen, verspricht er. Diese Fläche werde nicht Spekulanten, sondern Wohnungsgesellschaften zur Verfügung gestellt.

Kämpferische Rede

Der Parteitag verabschiedet einstimmig das Wahlprogramm „Zukunft jetzt machen“ mit dem Einsatz für bezahlbaren Wohnraum, Bildungsgerechtigkeit und eine bessere Verkehrspolitik als Schwerpunkte. In seiner kämpferischen Rede bringt sich Schäfer-Gümbel gegen Amtsinhaber Volker Bouffier (CDU) in Stellung. Wohnungsmangel werde nicht durch Sonntagsreden gelöst, sondern mit Baggern, Kränen und Betonmischern, sagt er und empfiehlt der CDU, ihren „ewigen Schlaf“ in der Opposition fortzusetzen.

Bei der Wahl zur Landesliste geht alles glatt. Das beste Ergebnis nach Schäfer-Gümbel erhält auf Platz zwei Generalsekretärin Nancy Faeser, die sich am Vortag einen Zahn ziehen lassen musste und auf dem Parteitag noch die Backe kühlt.

Versuche zweier Kandidaten, bessere Listenplätze zulasten anderer Bewerber zu erringen, scheitern. Bei der hessischen SPD ist Harmonie angesagt. Am Ende wird noch der Junge Nico Can Bayer aus dem südhessischen Lampertheim gefeiert, der voriges Jahr als Zehnjähriger mit Sondergenehmigung in die Jusos eintreten durfte. „Der hat soviel Energie und Leidenschaft“, rühmt Schäfer-Gümbel, „wenn sich davon jeder eine Scheibe abschneidet, ist uns der Wahlsieg am 28. Oktober nicht mehr zu nehmen.“