Politik

Gedenktag Mahnung auch an die Zusammenarbeit mit Hitler

Schande der Kollaboration

Archivartikel

Paris.Der 8. Mai als Tag der Befreiung von den deutschen Besatzern ist in Frankreich ein Feiertag. Angesichts der Corona-Krise und der Ausgangsbeschränkungen wurden zum 75. Jahrestag allerdings fast alle Veranstaltungen abgesagt. Präsident Emmanuel Macron wird lediglich wie üblich am Grab des unbekannten Soldaten unter dem Triumphbogen einen Kranz niederlegen. Außerdem zeichnet er Veteranen mit der Aufnahme in die Ehrenlegion aus, deren Orden für höchste Verdienste für das Land vergeben wird.

Eine prominent besetzte Feier hat Frankreich indes bereits im vergangenen Jahr organisiert: Zum Gedenken an den 6. Juni 1944, an dem die alliierten Soldaten an den Stränden der Normandie landeten und damit entscheidend zur Niederlage der Wehrmacht beitrugen, kamen unter anderem US-Präsident Donald Trump, Königin Elizabeth II, die damalige britische Premierministerin Theresa May, der kanadische Premierminister Justin Trudeau und Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Widerstand vom Exil aus

In der französischen Erinnerungskultur nimmt das Gedenken an den Ersten Weltkrieg, den „Großen Krieg“, aber meist mehr Raum ein, da die Opferzahl und die Zerstörungen noch größer waren. Mit dem tapferen Frontsoldaten, dem „Poilu“, entstand eine mythische Figur, die in Büchern, Comics und Filmen verklärt wurde.

Der Zweite Weltkrieg hingegen wird zwiespältig betrachtet, da es zwar einen organisierten Widerstand gab und der spätere Präsident Charles de Gaulle im Londoner Exil eine wichtige Rolle für die Résistance spielte. Daneben steht aber auch die Kollaboration durch das Vichy-Regime. Erst 1995 hat Jacques Chirac als erster Staatschef eine Mitschuld Frankreichs an der Judenverfolgung durch das Dritte Reich eingestanden.

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