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Scheitern einer Entschlossenen

Berlin.Als Angela Merkel ihr Anfang 2018 anbot, CDU-Generalsekretärin zu werden, zögerte Annegret Kramp-Karrenbauer keine Sekunde. Erstens war ihr das Saarland sowieso politisch zu eng geworden. Drei Mal hatte man sie dort zur Ministerpräsidentin gewählt, davor lagen Amtszeiten als – nacheinander – erste weibliche Innenministerin eines Landes, Bildungsministerin, Kultusministerin, Sozialministerin, Wirtschaftsministerin und zwischendurch auch mal als Bundestagsabgeordnete. Mehr geht auf Landesebene für eine Mittfünfzigerin kaum.

Zweitens war klar, dass der Job im Berliner Konrad-Adenauer-Haus der Startschuss zur Nachfolge im Kanzleramt war. Also: jetzt oder nie. Sie war Merkels Wunsch-Erbin. Beide haben einen ähnlichen pragmatischen und unprätentiösen Stil, beide teilen proeuropäische, soziale und liberale Werte. Annegret, geborene Kramp, dreifache Mutter und Katholikin, ist allerdings etwas konservativer als Merkel und als Frau des Bergbau-Ingenieurs Helmut Karrenbauer auch etwas mehr den Arbeitnehmern verbunden.

Nach Berlin ohne Rückfahrkarte

Was überraschte, war die Bedingungslosigkeit, mit der sie in die Hauptstadt ging. Ohne Bundestagsmandat, ohne Rückfahrkarte nach Saarbrücken. Bewährung oder Scheitern. Kaum zehn Monate später dann der nächste Schritt. Merkel kündigte ihren Verzicht auf den Parteivorsitz an. Und Kramp-Karrenbauer warf ihren Hut sofort in den Ring. Wieder hieß es: jetzt oder nie. Im parteiinternen Wahlkampf gegen Friedrich Merz und Jens Spahn lief sie zur Hochform auf und strafte so manche Lügen, die sie wegen ihres saarländischen Dialektes noch immer für eine Provinznudel hielten.

Kramp-Karrenbauer hat die großen Jungs damals klein aussehen lassen. Freilich, die setzten auf Zermürbungstaktik. Und sie selbst machte Fehler. Etwa mit überregional als peinlich empfundenen Karnevalsauftritten oder bei ihrer Reaktion auf das Rezo-Video. Man merkte ihr die Nervosität an. Manchmal auch schon jene Dünnhäutigkeit, die dem Ende von Landespolitikern auf der Berliner Bühne schon öfter vorausgegangen ist. Siehe Kurt Beck. Ende 2019 stellte sie beim Parteitag in Leipzig die Vertrauensfrage: „Dann lasst es uns heute beenden. Hier und jetzt und heute.“

2012 machte AKK das erste Mal bundesweit Furore, als sie wegen des Chaos im saarländischen Landesverband der Liberalen die Jamaika-Koalition platzen ließ. Sie setzte Neuwahlen an und gewann. Das war ein Ausdruck von Führungsstärke, den Merkel sehr bewunderte. 2017 musste Kramp-Karrenbauer dann gegen die von Martin Schulz beflügelte SPD bestehen. Sie schaffte über 40 Prozent. Der Schulz-Zug war gestoppt.

Jetzt ist ihr eigener Zug auf einen Prellbock gefahren. Und der heißt Thüringen. Die FDP spielt, Ironie der Geschichte, wieder eine zentrale Rolle. Doch jetzt fehlt AKK die Führungsstärke. Immerhin bleibt ihr vorerst noch das Verteidigungsministerium. Freilich hat sie nun nicht mehr selbst in der Hand, ob sie das behält, und was später aus ihr wird.

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