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Internationale Politik Außenminister der USA und Russlands zeigen sich trotz der Konflikte zuversichtlich / Pompeo trifft Kreml-Chef Putin

Schlagabtausch und Annäherung

Sotschi.Die vier Stunden dürften für US-Außenminister Mike Pompeo kaum ausgereicht haben. Zu groß ist die Zahl der Probleme zwischen Washington und Moskau, um sie in einem Ritt zu lösen. Und zu groß sind die Unterschiede in den Sichtweisen auf die Konflikte im Iran, in Venezuela, in Syrien und anderswo. Dabei teilten Pompeo und Gastgeber Sergej Lawrow in Sotschi einmal mehr vor laufenden Kameras gegeneinander aus: Der Amerikaner verbat sich eine Einmischung in die US-Präsidentenwahl im kommenden Jahr; der Russe wiederum kritisierte, dass Washington sich immer schon in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten einmische.

Dass Lawrow und Pompeo sich nichts schenken, haben sie immer wieder gezeigt. Aber diesmal stehen sie in Sotschi auch freundlich zusammen, weil es ihre Präsidenten gern so hätten – für bessere Beziehungen der beiden Staaten. Nach dem öffentlichen Schlagabtausch traf der US-Gast bei seinem ersten Russland-Besuch als Außenminister auch noch Kremlchef Wladimir Putin, der gerade vom Besuch bei einem Rüstungskonzern kam.

Die Gegner von einst wollen, das sollte Pompeos Besuch zeigen, angesichts der Dauerkonfrontation ihrer Länder intensiver reden. Und so bezeichnete Putin die begonnene Wiederannäherung auch als glaubwürdig. Bei einem Telefonat mit dem US-Präsidenten habe er jüngst den Eindruck gehabt, „dass es im gegenseitigen Interesse ist, die russisch-amerikanischen Beziehungen wieder vollständig herzustellen“.

Russland sieht in Pompeos Besuch vor allem den Versuch, die „Trümmer im Verhältnis“ beider Seiten wegzuräumen. Die Beziehungen sind auf einem Tiefpunkt, weil die USA seit Beginn des Ukraine-Konflikts vor gut fünf Jahren immer wieder Sanktionen gegen Russland verhängt haben.

Tatsächlich gibt es Gemeinsamkeiten – etwa im Kampf gegen den Terror, wie beide Seiten betonten. Oder in Afghanistan. Auch sprachen sich Lawrow und Pompeo für eine nicht-militärische Lösung im Machtkampf in Venezuela und im Streit um das Atomabkommen mit dem Iran aus. Pompeo machte deutlich, dass sein Land keinen Krieg gegen den Iran wolle.

Signal an die Welt

Hinter Pompeos Visite vermuten die Russen das Ziel, dem US-Präsidenten zu einem außenpolitischen Erfolg zu verhelfen. Chancen gibt es etwa beim New-Start-Vertrag. Dieser sieht vor, die Zahl der Atomwaffen zu verringern, läuft aber 2021 aus. Andrej Baklanow, Vizechef der Vereinigung russischer Diplomaten, hält eine Verlängerung bis 2026 für möglich, wie er Dienstag in der Moskauer Zeitung „Kommersant“ schrieb. Denn das wäre auch ein Signal an die Welt, dass es in den russisch-amerikanischen Beziehungen eine neue Dynamik gibt.

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