Politik

USA I Demonstration im Bundesstaat Virgina endet blutig / Heftige Kritik an der Regierung / Extremisten fühlen sich bestärkt

Schock nach rechter Gewaltorgie

Charlottesville.Bisher ist US-Präsident Donald Trump fast immer für das kritisiert worden, was er gesagt hat. Diesmal ist es umgekehrt: Über die Parteigrenzen hinweg gibt es Empörung über das, was er ausgelassen hat. Die Reaktionen und Emotionen sind so heftig, dass manche Medien schon von einem neuen Tiefpunkt seiner Präsidentschaft sprechen. Erst Stunden nach der Gewalt bei der Demonstration von Rechtsextremisten in Charlottesville im US-Bundesstaat Virginia trat er vor die Mikrofone. Allerdings ziemlich wortkarg. Trump schaffte es nicht, sich mit aller Schärfe von Rechtsextremismus zu distanzieren.

Flaggen mit Hakenkreuzen

Zu jener Zeit hatte der Gouverneur von Virginia längst den Ausnahmezustand verhängt, weil die Kundgebung von mehreren hundert Anhängern der Alt-Right-Bewegung und des Ku-Klux-Klans völlig aus dem Ruder lief. Unter dem Motto "Vereinigt die Rechten" hatten sich Islamhasser, Anhänger einer weißen Überlegenheitslehre und Neonazis in Charlottesville versammelt, weil dort nach einem Stadtratsbeschluss eine Statue des Konföderierten-Generals Robert E. Lee aus dem amerikanischen Bürgerkrieg entfernt werden soll.

Schon der Fackelzug mit Hakenkreuzfahnen und Hitler-Grüßen am Freitagabend verlief gespenstig. Doch am Samstag kam es rasch zu offenen Straßenschlachten, bei denen die Rechtsextremen Schlagstöcke, Flaschen und Wurfgeschosse gegen linke Gegendemonstranten einsetzten - während die Polizei teilweise hilflos versuchte, die beiden Lager mit Wasserwerfern zu trennen. Offiziell war die Versammlung von Gouverneur und Bürgermeister schon aufgelöst worden, als dann ein grauer Wagen mit hoher Geschwindigkeit eine enge Straße her-unter raste und ein Blutbad anrichtete. Passanten haben die tödliche Fahrt auf ihren Handys festgehalten.

Polizei fasst jungen Mann

Beim Betrachten der grausamen Videos kann man nicht daran zweifeln, dass der Fahrer absichtlich auf ein anderes Auto auffuhr und dieses mit voller Wucht in eine Menge friedlicher Gegendemonstranten katapultierte. Die Menschen wurden zerdrückt oder durch die Luft geschleudert. Eine 32-jährige Frau verlor ihr Leben. Nach dem Attentat legte der Mann den Rückwärtsgang ein und brauste mit ebenso hoher Geschwindigkeit in die andere Richtung davon. Bei dem später gefassten Attentäter handelt es sich nach Angaben der Polizei um einen 20-jährigen weißen Mann aus Ohio.

Viele Bürger in den USA hätten sich in Trumps Reaktion etwas von dem "Feuer" und der "Wut" gewünscht, mit der er jüngst Nordkorea gedroht hat. Stattdessen lasen sie am Sonntag Schlagzeilen wie diese: "Trump babbelt im Angesicht einer Tragödie." Das war die Überschrift eines Meinungsartikels in der "Washington Post". Nicht jeder Präsident sei gleichermaßen gut darin, in schweren Zeiten die Nation zu einen, zu trösten, moralische Klarheit in der Mitte von Konfusion zu vermitteln, hieß es darin. "Aber bisher war keiner unfähig dazu. Bis Donald Trump." Kritiker haben ihm schon seit langem eine Herumeierei angelastet, wenn es darum geht, die Ultrarechte zu verurteilen - die ihn gewählt hat, aus seinem Sieg eine neue Legitimation ableitet und das auch am Samstag in Charlottesville demonstrierte.

Gouverneur ergreift das Wort

Offensichtlich fühlen sich seine rechten Anhänger dadurch bestärkt. "Wir sind entschlossen, unser Land zurückzuerobern. Wir werden die Versprechen von Donald Trump umsetzen. Deswegen haben wir ihn gewählt", sagte der frühere Ku-Klux-Klan-Chef David Duke bei der Demonstration in Charlottesville. Aufmerksam verfolgten die Rechtsextremen auch die Reaktion des Präsidenten. "Trumps Kommentar war gut. Er hat uns nicht angegriffen", jubelte die Neonazi-Seite "Daily Stormer" in einem Live-Ticker.

So war es dem Gouverneur von Virginia, Terry McAuliffe, überlassen, nach der rechten Gewaltorgie ein deutliches Wort zu sagen. "Geht nach Hause. Nehmt euren Hass und eure Vorurteile mit. Es gib hier keinen Platz für euch", sagte der Demokrat. Für Virginia mag das stimmen. In weiten Teilen der USA ist das aber nicht mehr sicher. (mit dpa)