Politik

Kernkraft Parlamentskommission bemängelt besonders häufigen Einsatz von Subunternehmen

Schwachstellen bei der Sicherheit?

Archivartikel

Paris.Frankreich ist ein Atomland: Mehr als 70 Prozent des Stroms kommen aus Kernkraftwerken. Über die Sicherheit gibt es immer wieder heftige Diskussionen – nun bekommen Kritiker Schützenhilfe von einer Untersuchungskommission der Pariser Nationalversammlung. Sie hat „Schwachstellen“ bei der Sicherheit französischer Atomkraftwerke ausgemacht. Diese beträfen vor allem den „menschlichen Faktor“, heißt es in ihrem gestern in Paris vorgestellten Bericht.

Besonders kritisch sehen die Autoren den häufigen Einsatz von Subunternehmen. Sie schlagen 33 Maßnahmen vor, um die Atomanlagen besser gegen Unfälle und Terrorattacken zu wappnen. Es gebe ein Bewusstsein des Risikos, und gewisse Lektionen aus der Fukushima-Katastrophe seien gezogen worden, sagte die federführende Abgeordnete Barbara Pompili der Zeitung „Le Monde“. „Aber der französische Atompark weist mehr Anfälligkeiten auf, als ich dachte.“ Der mehrheitlich staatseigene Stromkonzern EDF entgegnete, dass die Zusammenfassung des Berichts keinerlei Verstöße gegen die Betreiberpflichten aufzeige. Das Papier enthalte eine gewisse Zahl inhaltlicher Fehler, teilte das Unternehmen mit. Es verwies darauf, dass die französische Atomaufsicht die Sicherheit der Kernkraftwerke für 2017 als zufriedenstellend bewertet hatte.

Spektakuläre Greenpeace-Aktion

Frankreich betreibt 58 Atomreaktoren – nur die USA haben mehr. Mehr als 70 Prozent der französischen Stromproduktion kommen aus Kernkraft. Die französische Regierung will diesen Anteil mittelfristig auf 50 Prozent drücken. In der deutschen Grenzregion zu Frankreich gibt es seit Jahren Sorgen über die Sicherheit nahegelegener Atomkraftwerke wie Fessenheim im Elsass und Cattenom. Fessenheim soll nach den bisherigen Plänen 2019 geschlossen werden.

Der unverbindliche Parlamentsbericht fordert unter anderem mehr Kompetenzen für die Atomaufsicht ASN. Zudem sollten pro Atomreaktor rund um die Uhr mindestens vier Gendarmen auf dem Gelände sein und Anbieter von Satellitenbildern verpflichtet werden, Luftaufnahmen der Atomkraftwerke unscharf zu machen. Transporte von radioaktivem Material sollten weniger vorhersehbar sein – sie hielten etwa oft an den gleichen Tank- und Raststellen. Innerhalb der Parlamentskommission hatte es Widerstand gegen den Tenor des Berichts gegeben. So kritisierte der konservative Abgeordnete Julien Aubert, dass Positionen von Atomkraftgegnern systematisch als fundiert angesehen würden.

Erst am Dienstag hatten Greenpeace-Aktivisten eine Drohne in Form des Actionhelden Superman gegen ein Gebäude auf einem französischen AKW-Gelände gesteuert. Die Organisation fordert schärfere Sicherheitsvorkehrungen. dpa