Politik

Politbarometer Juni (KW 24 - I)

Schwarz-Grün am beliebtesten

Archivartikel

Politische Stimmung in Deutschland

Nach ihrem Einbruch vor zwei Wochen bleiben die Union und – noch sehr viel deutlicher – die SPD auch Ende Juni schwach. Der Höhenflug der Grünen hält an, AfD, FDP und Linke sind weitgehend stabil. In der politischen Stimmung liegen die Grünen mit 31% (-2) weiterhin vor der Union mit 28% (+1). Die SPD steht bei 15% (+2), die AfD bei 9% (+/-0), die FDP bei 7% (+/-0) und die Linke bei 7% (+1). Alle anderen Parteien erreichen zusammengenommen 4% (-2).

Da mit Umfragen immer nur Stimmungen in der Bevölkerung zum Zeitpunkt der Befragung gemessen werden, sind Schlussfolgerungen auf eine mögliche Wahlentscheidung an einem weit entfernt liegenden Wahltag nicht zulässig.

Die Politbarometer-Ergebnisse sind wie immer politisch nicht gewichtet. Ein Vergleich der Wahlabsichtsfrage und der Sympathiemessungen der Politbarometer-Untersuchungen mit den politisch gewichteten Ergebnissen anderer Institute ist daher nur bedingt möglich. Aus diesem Grund veröffentlicht das Politbarometer die „Projektion“, bei der die in den aktuellen Untersuchungen gemessenen poli-tischen Stimmungen auf ein Wahlergebnis für eine Bundestagswahl übertragen werden, falls diese am nächsten Sonntag stattfinden würde.

Dieser errechneten Projektion liegen Erkenntnisse über die langfristige, sozial-strukturell begründete Stabilität im Wählerverhalten bei Bundestagswahlen zugrunde sowie Erkenntnisse über den theoretischen Ausgang einer Bundes-tagswahl unter „normalen“ Bedingungen, d. h. ohne die Überzeichnungen in der aktuell gemessenen politischen Stimmung. Neben strukturellen Faktoren werden zudem taktisches Verhalten sowie die fehlende Bekenntnisbereitschaft von Anhängern der Parteien an den Rändern des Parteienspektrums berücksichtigt.

Würde am Sonntag eine Bundestagswahl stattfinden, bliebe die Union auf ihrem historischen Tiefstwert, die SPD könnte sich – von ihrem Tiefstwert kommend – geringfügig verbessern und die Grünen blieben so stark wie nie zuvor. Nach der Projektion käme die CDU/CSU auf 27% (+/-0) und die SPD auf 14% (+1). Die AfD läge bei 13% (+/-0), die FDP bei 7% (+/-0) und die Linke bei 7% (+/-0), alle unverändert. Die Grünen würden ebenfalls wie zuletzt 26% (+/-0) erreichen und alle sonstigen Parteien in der Summe etwas schwächere 6% (-1). Während Schwarz-Grün so weiter eine klare Mehrheit hätte, würde Grün-Rot-Rot eine Mehrheit jetzt nur ganz knapp verfehlen.     

Bewertung von Koalitionsmodellen 

Bei der Bewertung zukünftiger Regierungsmodelle im Bund wird ausschließlich eine Koalition aus Union und Grünen von einer relativen Mehrheit positiv gesehen. Eine CDU/CSU-SPD-Koalition lehnen die Deutschen ganz anders als in früheren Jahren klar ab, und auch bei allen anderen – theoretisch oder praktisch denkbaren – Bündnisoptionen gibt es mehr oder weniger starke Vorbehalte. Die Einstellungen zu möglichen Koalitionen im Detail: Gut für die nächste Legislaturperiode fänden 46% aller Befragten ein Bündnis aus Union und Grünen, 39% fänden das schlecht und 13% wäre es egal. 34% fänden eine „Jamaika“-Koalition aus Union, FDP und Grünen gut (schlecht: 47%; egal: 16%), für Rot-Rot-Grün aus SPD, Linke und Grünen gibt es 30% Zustimmung (schlecht: 56%; egal: 11%), eine rot-gelb-grüne Ampelkoalition fänden 27% gut (schlecht: 53%; egal: 18%) und lediglich 23% eine CDU/CSU-SPD-Koalition (schlecht: 58%; egal: 16%). Eine Koalition aus CDU/CSU und AfD wird mit aller Deutlichkeit abgelehnt (gut: 11%; schlecht: 82%; egal: 6%). 

Zufriedenheit mit der Bundesregierung

Die Zufriedenheit mit der Bundesregierung bleibt schwach: Auf einer +5/-5-Skala (sehr zufrieden bis sehr unzufrieden) werden die aktuellen Leistungen des schwarz-roten Kabinetts mit 0,3 (Mai: 0,3; Jun-I: 0,1) bewertet. In der Detailkritik erhält die Union die Note 0,3 (Mai: 0,3; Jun-I: 0,1), die SPD wird leistungsbezogen bei 0,0 (Mai: 0,2; Jun-I: -0,1)  eingestuft.   (S. 9)

Arbeit von Bundesregierung und Bundeskanzlerin

„Alles in allem gesehen“ sprechen 51% (Mai: 56%; Jun-I: 49%) der Deutschen von eher guter Arbeit der Koalition, für 43% (Mai: 38%; Jun-I: 45%) fällt die Gesamtbilanz „eher schlecht“ aus. Damit verfehlt die Bundesregierung weiter klar das Niveau der Regierungsspitze: Angela Merkels Arbeit als Kanzlerin bewerten „alles in allem gesehen“ 69% (Mai: 71%; Jun-I: 69%) eher positiv und 28% (Mai: 26%; Jun-I: 28%) eher negativ. 

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