Politik

CSU Knapp zwei Wochen vor der Landtagswahl in Bayern schlechte Umfragewerte für Regierungspartei

Seehofer beschwört Trendwende

München.Dem CSU-Vorsitzenden und Bundesinnenminister Horst Seehofer ist bewusst, dass er an allem schuld ist. Sogar an der Lage der SPD, am schwedischen Wahlergebnis und an den Problemen in Hessen, listete Seehofer gestern am Rande einer CSU-Vorstandssitzung auf. Es liege auf der Hand, was damit beabsichtigt sei: „Ich glaube, wir haben in Bayern Wahlen.“

Diese finden am 14. Oktober statt, und die demoskopische Lage für die mit absoluter Mehrheit regierenden Christsozialen ist denkbar kritisch. Irgendwo zwischen 34 und 36 Prozent wird die Partei verortet, die 2013 mit 47,7 Prozent die absolute Mehrheit der Sitze im Landesparlament zurückeroberte – unter Führung von Horst Seehofer.

Der zeigte sich auch fünf Jahre später „optimistisch und zuversichtlich“. Wenn die Partei in den verbleiben Tagen noch „richtig powert“, dann „werden wir gut abschneiden“, wiederholte er. Damit war der Parteichef ausnahmsweise einmal einig mit seinem Amtsvorgänger Erwin Huber, der in einem Interview ein CSU-Ergebnis „näher an 40 Prozent“ erwartete. Viele Menschen gäben zu erkennen, dass sie keinen so krassen Absturz für die CSU wollten, wie das die Umfragen vorhersagten, so Huber. Der Wahlabend werde die Partei gleichwohl „vor eine Belastungsprobe“ stellen. Und der „Übergang in die nächste Generation“ habe im Amt des bayerischen Ministerpräsidenten stattgefunden, stehe aber beim CSU-Vorsitz noch bevor.

Warnung an Berlin

Auch wenn die CSU kurz vor dem entscheidenden Wahlabend die Reihen noch fest geschlossen hält, vereinzelt wird schon deutlich, wo man im Falle einer krachenden Niederlage die Verantwortung dafür zu verorten gedenkt: in Berlin, womöglich auch im Bundesinnenministerium. In der Bundeshauptstadt müssten sich jetzt „alle“ anstrengen, „damit aus Berlin zumindest kein Gegenwind“ kommt, wünschte sich Ministerpräsident Markus Söder.

Seit Wochen schon macht der CSU-Spitzenkandidat mit den „Berliner Verhältnissen“ Wahlkampf. „Stabilität ist in unruhigen Zeiten ein wichtiges Gut“, bekräftigte Söder auch gestern noch einmal. Unter „Stabilität“ ist dabei eine Fortsetzung der absoluten CSU-Mehrheit zu verstehen. In Berlin werde immer wieder über Regelungen gestritten, „meistens wenig entschieden“, während „wir in Bayern zeigen, was geht“, sagte Söder.

Inzwischen habe man erkennen können, dass die Aufteilung von Parteivorsitz und Ministerpräsidentenamt in der CSU „recht gut funktioniert“, meinte Seehofer. Für den Fall, dass die CSU am 14. Oktober die absolute Mehrheit der Mandate verfehlt, stellt sich zum ersten Mal in der Geschichte der Partei die Frage, wer anstehende Koalitionsverhandlungen führen sollte – Parteichef oder Ministerpräsident? „Wir werden das schon richtig machen“, antwortete Seehofer. Und nach einer kurzen Pause: „Glaube ich jedenfalls.“