Politik

Seehofer geht in Wiesbaden ein wenig auf Distanz

Auf die jüngsten Äußerungen von Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen angesprochen, druckst Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) erst ein wenig herum. Er habe keinen anderen Informationsstand als bisher und als das, was heute in den Zeitungen stehe, sagt er im Wiesbadener Kurhaus nach dem Treffen mit seinen Ressortkollegen aus CDU und CSU in den Ländern. Und die Frage, ob Maaßen noch sein Vertrauen habe, beantwortet er mit einem knappen „Ja“. Gleichzeitig bittet der CSU-Chef die Opposition um Mäßigung in der Debatte.

Erst am Schluss der Pressekonferenz wird Seehofer auf Nachfrage noch einmal konkreter: Ja, Maaßen habe ihn von seinen Überlegungen unterrichtet, das Video vom Übergriff rechter Demonstranten in Chemnitz könnte eine Fälschung sein, um von der vorausgegangenen Bluttat an einem Deutschen abzulenken. „Worauf er sie stützt, weiß ich nicht“, fügt der Bundesinnenminister hinzu. Und geht damit doch ein wenig auf Distanz. Offenbar hat der Chef des Bundesamts für Verfassungsschutz auch Seehofer dafür keine Quelle genannt.

Nachdem er sich mit seinem Satz über die Migration als „Mutter aller Probleme“ erst am Vortag in die Nesseln gesetzt hat, will sich der Minister nicht auch noch durch blinde Gefolgschaft dem umstrittenen Maaßen gegenüber angreifbar machen. Immerhin fühlt er sich durch die Diskussion darin bestätigt, mit einer Stellungnahme zu Chemnitz lange gewartet zu haben. Um sich ein fundiertes Bild zu machen, sei er in ständigem Kontakt mit den Sicherheitsbehörden.

Aber Seehofer denkt nach eigenen Angaben auch nicht daran, wegen der scharfen Reaktionen von seinen eigenen Äußerungen zur „Mutter der Probleme“ abzurücken. Da sehe er auch gar keinen Gegensatz zu dem, was Kanzlerin Angela Merkel gesagt habe. Auch mit der sei er ja in ständigem Kontakt. „Wir arbeiten ganz vernünftig und entspannt zusammen“, versichert Seehofer. kn