Politik

Medien „taz“-Kolumnistin hatte Polizisten als Abfall bezeichnet

Seehofer prüft Anzeige

Berlin.Nach einer polizeikritischen Zeitungskolumne erwägt Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) eine Strafanzeige gegen die Autorin. Zunächst hatte er angekündigt, diese am Montag zu stellen – dann sollte die Entscheidung nach seiner Rückkehr nach Berlin fallen, sagte der Minister am Montag in Stuttgart, wo er sich nach den Ausschreitungen vom Wochenende ein Bild über die Lage machte. Aus der Medienbranche kam heftige Kritik an dem Vorhaben.

Die umstrittene Kolumne einer „taz“-Mitarbeiterin erschien vor einer Woche. Darin stellte die Autorin ein Gedankenspiel an, wo Polizisten arbeiten könnten, wenn die Polizei abgeschafft würde, der Kapitalismus aber nicht. Zum Schluss der Kolumne heißt es: „Spontan fällt mir nur eine geeignete Option ein: die Mülldeponie. Nicht als Müllmenschen mit Schlüsseln zu Häusern, sondern auf der Halde, wo sie wirklich nur von Abfall umgeben sind. Unter ihresgleichen fühlen sie sich bestimmt auch selber am wohlsten.“ Aus der Berufsgruppe heraus und von Politikern kam viel Kritik. Die Chefredaktion der Zeitung äußerte Bedauern.

„taz“-Chefin Barbara Junge erklärte nach der Ankündigung Seehofers: „Seine Anzeige gegen unsere Autorin ist ein beschämender Angriff auf die Pressefreiheit.“ Die Bundesvorsitzende der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union bei Verdi, Tina Groll, sagte: Als Innenminister habe er „andere Möglichkeiten der politischen Auseinandersetzung als das Schwingen der juristischen Keule.“ 

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