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Bildung Uni Mannheim sagt Veranstaltungen ab / Gymnasiallehrer fordern Schließung aller Schulen und handeln sich scharfe Kritik ein

Semesterstart im Südwesten verschoben

Archivartikel

Stuttgart.Das Coronavirus schränkt das öffentliche Leben in Baden-Württemberg zunehmend ein. Seit Dienstagmittag ist klar, dass der Start des Sommersemesters an allen Hochschulen im Südwesten bis nach Ostern verschoben wird, um die Ausbreitung des Virus zu bremsen. An diesem Donnerstag diskutieren die Kultusminister Schutzmaßnahmen für die Schulen. Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) erwartet, dass es in diesem Jahr keine Abituraufgaben geben wird, die in allen Ländern gestellt werden.

Die Verschiebung des Semesterstarts betrifft nach Angaben von Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) vor allem die Hochschulen für angewandte Wissenschaften. An den Universitäten sei der Vorlesungsbeginn in der Regel ohnehin erst nach Ostern geplant gewesen. Forschungen seien nicht betroffen. „Wir wollen den Prozess der Ausbreitung verlangsamen“, begründete die Grünen-Politikerin den gemeinsam mit Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) formulierten Erlass.

Suche nach Lösung für Abiprüfung

An der Uni Mannheim hat das Semester bereits vor einigen Wochen begonnen. Dort werden bis einschließlich 19. April keine Präsenzveranstaltungen wie Vorlesungen und Seminare stattfinden, teilte die Universität mit. Prüfungen könnten weiterhin abgelegt werden , auch die Bibliotheken seien geöffnet.

Für Furore sorgte am Mittwoch die Forderung des Philologenverbandes, alle Schulen bis zu den Osterferien zu schließen. „Wenn nicht sofort drastische Maßnahmen zur Eindämmung eingeleitet werden, könnten in drei Wochen in Baden-Württemberg Zehntausende infiziert sein“, begründete der Verband der Gymnasiallehrer seinen Vorstandsbeschluss.

„Dass der Philologenverband nun den Ausnahmezustand ausruft, halte ich für unverantwortlich“, kritisierte Eisenmann. Pauschale und flächendeckende Schließungen von Schulen und Kitas seien nach wie vor nicht das Gebot der Stunde.

Auch der SPD-Abgeordnete Stefan Fulst-Blei sprach von einer „überzogenen Forderung“ der Gymnasiallehrer. Wer die Schließung aller Schulen fordert, müsse auch Antworten liefern, wer die Kinder dann betreut.

Eisenmann wies darauf hin, dass die 9000 Kitas gleich wie die Schulen behandelt werden müssten.

Derweil suchen die Kultusminister nach Wegen zur Durchführung des Abiturs trotz Corona-Schutz. Eisenmann erwartet, dass die Runde bei ihrer Sitzung am Donnerstag die Pflicht zur Nutzung des bundesweiten Aufgabenpools aussetzt. Auf diese Weise könnten die Länder die Prüfungstermine leichter variieren. Eine komplette Verschiebung hält die CDU-Ministerin aus heutiger Sicht im Südwesten nicht für notwendig. Stattdessen könnten zusätzliche Termine für Nachprüfungen angesetzt werden, um Nachteile durch vorübergehende Auszeiten an einzelnen Schulen auffangen zu können.

Rheinland-Pfalz will notfalls mündliche Abiprüfungen, die für 16. bis 25. März geplant sind, verschieben, sollten diese nicht an Schulen möglich sein, so das Sozialministerium. mit ham/dpa

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