Politik

Asyl Botschaft von Ecuador erlaubt Scotland Yard den Zugriff auf Wikileaks-Gründer Julian Assange / Debatte um Auslieferung an die USA

Sieben Jahre lang auf 20 Quadratmetern

London.Es ist Dienstag, 19. Juni 2012, als Julian Assange in das viktorianische Gebäude im Londoner Stadtteil Knightsbridge spaziert, die ecuadorianische Botschaft liegt direkt neben dem Nobelkaufhaus Harrods. Erst knapp sieben Jahre später, am 11. April 2019, einem Donnerstag, verlässt Julian Assange sein selbst gewähltes Exil wieder – widerwillig und schreiend, in Handschellen, nun mit weißem Vollbart.

Gestern wurde der Mitbegründer der Enthüllungsplattform Wikileaks festgenommen. Grund für die Verhaftung sei nicht nur der Verstoß gegen Kautionsauflagen. Es liege auch ein Auslieferungsantrag aus den USA vor, teilte Scotland Yard mit. Die Polizei habe die Erlaubnis erteilt bekommen, die Botschaft zu betreten, nachdem die Regierung in Quito ihr Asyl für den 47-Jährigen zurückgezogen habe.

Der Australier hatte sich in dem Gebäude verschanzt, um einer Verhaftung und Auslieferung nach Schweden zu entgehen, wo er wegen Missbrauchsvorwürfen befragt werden sollte. Gleichwohl zeigte er sich stets überzeugt, dass er dann in die USA ausgewiesen würde, wo er eine Strafverfolgung befürchtet. Wegen der Veröffentlichung brisanter Dokumente zu den Kriegen in Afghanistan und im Irak drohen ihm dort ein Verfahren und womöglich lebenslange Haft.

Der britische Außenminister Jeremy Hunt begrüßte die Entwicklung. Assange habe die Botschaft in Geiselhaft genommen, die Situation sei „unerträglich“ für die Vertretung gewesen. Wikileaks kritisierte hingegen den Entzug des diplomatischen Asyls für ihren Gründer als „illegal“ und Verletzung internationalen Rechts.

Tatsächlich wurde die Situation für Ecuador zunehmend zu einer Belastung . Und so überrascht es kaum, dass Ecuadors Präsident Lenín Moreno auf das Benehmen des Dauergasts verwies: „Das unhöfliche und aggressive Verhalten von Herrn Julian Assange, die feindlichen und drohenden Erklärungen seiner verbündeten Organisation gegen Ecuador, die Überschreitung internationaler Verträge“ hätten dazu geführt, dass das Asyl „nicht länger tragbar und realisierbar“ sei. Ecuador habe seine Verpflichtungen im Rahmen des internationalen Rechts „vollständig erfüllt“, sagte Moreno. Allein eine Bedingung stellte er. Assange solle nach seiner Festnahme nicht an ein Land ausgeliefert werden, in dem ihm Folter oder die Todesstrafe drohten. Das wurde offenbar von der britischen Regierung garantiert.

Mangelnde Sauberkeit

Assange lebte in einem 20 Quadratmeter großen Zimmer, und es haperte offenbar an seinem Sinn für Sauberkeit. So ermahnten ihn etwa Angestellte, Assange solle sein Bad gründlicher putzen und auf die Hygiene seiner Katze achten.

Nachdem Mitte 2010 Vorwürfe der sexuellen Belästigung von zwei Schwedinnen laut geworden waren, hatte der Wikileaks-Gründer eine Vergewaltigung stets bestritten. 2017 wurde die Anklage fallengelassen. Weitere Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs waren im Sommer 2015 verjährt.