Politik

Jahresbericht UNHCR meldet weltweiten Rekord bei Migration / Arme Länder tragen Hauptlast

Sinkende Asylzahlen in Europa

Archivartikel

Genf.Konflikte, Kriege und Verfolgung – wegen verheerender Krisen in aller Welt steigt die Zahl der Flüchtlinge und Vertriebenen jedes Jahr. Wenn man die 40 Millionen Binnenvertriebenen berücksichtigt, rückt die 70-Millionen-Marke bereits in Sichtweite. In Europa schüren Populisten den Eindruck, die Bürde trügen vor allem reiche Länder. Tatsächlich finden die allermeisten Flüchtlinge in ärmeren Ländern Zuflucht, vor allem in Afrika und im Nahen Osten. Einige der großen Fluchtkrisen des vergangenen Jahres im Überblick:

Myanmar: Als am schnellsten wachsende Flüchtlingskrise der Welt bezeichneten die Vereinten Nationen 2017 die Lage der Rohingya, die nach Einschätzung der UN Opfer einer ethnischen Säuberung wurden. Innerhalb weniger Wochen flohen deutlich mehr als eine halbe Million Angehörige der muslimischen Minderheit vor Militärgewalt aus ihrer Heimat Myanmar ins Nachbarland Bangladesch – eines der ärmsten Länder der Welt. Dort harren inzwischen fast eine Million Rohingya aus, viele im weltgrößten Flüchtlingslager Kutupalong.

Kongo: Neue Konflikte im zentralafrikanischen Riesenreich Kongo haben 2017 eine Massenflucht ausgelöst. Die Zahl der Binnenflüchtlinge verdoppelte sich auf rund 4,4 Millionen. Ende 2017 waren über 620 800 Kongolesen ins Ausland geflohen, etwa die Hälfte Kinder. Der Kongo „ist eine der kompliziertesten, herausforderndsten, langwierigsten und am meisten vergessenen Krisen“, erklärt das UNHCR.

Syrien: Der Krieg in Syrien hat zur weltweit derzeit größten Flüchtlingskatastrophe geführt. Ende 2017 hatten mehr als 6,3 Millionen Menschen das Land verlassen, das war fast jeder dritte ins Ausland Geflohene weltweit. Die meisten flohen in die Nachbarländer Türkei, Libanon und Jordanien. Nimmt man die Binnenflüchtlinge hinzu, dann sind nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) rund elf Millionen Syrer betroffen – mehr als die Hälfte der Bevölkerung.

Südsudan: Das jüngste Land der Welt ist Schauplatz massiver Vertreibung. Jeder dritte Südsudanese ist wegen der Gewalt in dem ostafrikanischen Bürgerkriegsland auf der Flucht. Rund 2,4 Millionen flohen in Nachbarländer, vor allem nach Uganda, Sudan und Äthiopien. Fast zwei Drittel der Flüchtlinge sind Kinder. Im Land selbst sind knapp zwei Millionen Menschen auf der Flucht. Hintergrund ist ein Bürgerkrieg.

Jemen: Beim Bürgerkrieg im Jemen sprechen die UN derzeit von der weltweit größten humanitären Katastrophe. Rund drei Viertel der Bevölkerung sind auf Hilfe von außen angewiesen und zwei Millionen waren zur Jahreswende Binnenvertriebene. Rund 200 000 Jemeniten sind ins Ausland geflohen.

Afghanistan: Ende 2017 zählte das UNHCR 2,6 Millionen ins Ausland geflohene Afghanen. Viele gingen nach Pakistan, in den Iran und nach Europa. In Afghanistan selbst gibt es unzählige Binnenvertriebene. So wurden wegen der Eskalation des Krieges mit den Taliban allein im vergangenen Jahr mehr als 450 000 Menschen aus ihren Dörfern und Städten vertrieben; seit Jahresanfang 2018 flohen weitere 100 000 Menschen.

Venezuela: Angesichts der humanitären Krise in Venezuela verlassen immer mehr Menschen das Land. 1,6 Millionen Venezolaner leben nach IOM-Angaben bereits im Ausland. Die venezolanische Opposition geht sogar von bis zu vier Millionen aus. Laut einer Gallup-Studie wollen 41 Prozent der Venezolaner ihre Heimat verlassen.

Zum Thema