Politik

Umstrittene Hilfe Soldatinnen und Soldaten sollen Personalmangel in Gesundheitsämtern entgegenwirken

So kann die Bundeswehr helfen

Archivartikel

Berlin.Angesicht der steigenden Corona-Infektionszahlen in Deutschland kommen viele Gesundheitsämter an ihre personelle Belastungsgrenze. Die Bundeswehr könnte schnell aushelfen und ist auch bereit, das zu tun. Allerdings müssen betroffene Städte die Hilfe auch annehmen. Der Einsatz von Bundeswehrsoldaten ist so naheliegend wie heikel. Befürworter sehen im Einsatz von Soldaten die schnellste und effektivste Möglichkeit, um dem Personalmangel entgegenzuwirken. Kritiker sehen eine Grenze überschritten.

Schlagzeilen gemacht hat vor Kurzem das Beispiel des Berliner Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg, der sich auch aus politischen Gründen hartnäckig geweigert hatte, Bundeswehrangehörige bei der Nachverfolgung der Corona-Infektionsketten einzusetzen. Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) erbat die Hilfe der Bundeswehr, um Kontaktpersonen im Zuge der Corona-Pandemie besser verfolgen zu können.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Städte ermuntert, auf dieses Angebot des Bundes einzugehen. In den Ballungsräumen werde sich entscheiden, „ob wir die Pandemie in Deutschland unter Kontrolle halten können oder ob uns die Kontrolle entgleitet”, mahnte sie.

Doch was kann die Bundeswehr überhaupt leisten? Der wichtigste Teil der Hilfe ist die Unterstützung der Gesundheitsbehörden bei der Nachverfolgung und Unterbrechung von Infektionsketten. Da dazu sämtliche Kontaktpersonen von positiv Getesteten angerufen und informiert werden müssen, wird vielerorts das Personal knapp. Soldaten können hier kurzfristig einspringen und so die Leistungsfähigkeit der Gesundheitsämter erhöhen.

Soldaten können auch beim Aufbau von Testzentren helfen. Sie haben bereits an Flughäfen bei der Durchführung von Tests an Reise-rückkehrern Hilfe geleistet. Außerdem kann die Truppe Transport und Lagerkapazitäten für medizinische Ausrüstung oder Geräte zur Verfügung stellen.

Während des Lockdowns haben Bundeswehrangehörige außerdem Einkäufe für hilfsbedürftige Personen erledigt oder als Musiker Konzerte vor Alten- und Pflegeeinrichtungen gegeben. Außerdem hält die Luftwaffe permanent Transportkapazitäten für intensivpflegebedürftige Patienten bereit.

Derzeit sind in Deutschland knapp 1400 Bundeswehrsoldaten Soldaten zur Unterstützung von Kommunen und Landkreisen im Einsatz. Dies sei ein Höchststand, sagte Generalleutnant Martin Schelleis. Für den Kampf gegen die Pandemie bereitgestellt hat die Bundeswehr gut 15 000 Soldatinnen und Soldaten. Die Truppe hat also noch jede Menge Kapazitäten.

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