Politik

Unterstützung Jill Biden und Melania Trump stehen ihren Männern im Wahlkampf zur Seite – die eine mehr, die andere weniger emotional

So präsentieren sich die Frauen der Kandidaten

Archivartikel

Washington.Jill Biden hat sich im Rampenlicht nie sonderlich wohl gefühlt, auch als Frau des Vizepräsidenten der USA sah sie öffentliche Auftritte eher als Pflicht an, denn als Quell der Freude. Der Promi-Status, den ihre gute Freundin Michelle Obama so würdevoll und inspiriert interpretierte, war ihr immer eher unbehaglich.

So rang Jill Biden in diesem Frühjahr mit sich, ob sie ihren Job als Englisch-Professorin überhaupt unterbrechen soll, nur weil ihr Mann für die Präsidentschaft kandidiert. Monatelang nur von Event zu Event und von Interview zu Interview zu tingeln, erschien ihr eher wie eine Tortur. Und als sie sich dann doch dafür entschied, hielt sie ihre öffentlichen Auftritte dezidiert gedämpft.

So etwa ihre Rede zum Nominierungsparteitag der demokratischen Partei. Die Pandemie ersparte es ihr dankenswerterweise, vor eine Arena mit Zehntausenden von Menschen zu treten. Stattdessen stellte sie sich in einem schlichten grünen Kleid und beinahe ohne Schmuck in das Klassenzimmer der Highschool ihrer Heimatstadt Wilmington, um die Nation darum zu bitten, ihren Mann zu wählen. Die Rede war nicht zuletzt eine Liebeserklärung an ihren Joe, der, wie sie sagte, mit einer tiefen inneren Kraft eine zerbrochene Familie geheilt und zusammengehalten habe. Mit derselben Kraft, versprach Jill Biden, werde er dieses Land wieder zusammenbringen, das so zerrissen ist und dem es so schlecht gehe.

Bild hat sich gewandelt

Es war eine leidenschaftliche Ansprache getragen von einer Liebe, die man so nicht vortäuschen kann. Jill und Joe, das war an jenem Abend im August zu spüren, sind eine eng verwobene Einheit. Sollte Joe Biden zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt werden, dann wird ihm, daran besteht kein Zweifel, seine Jill in allen Höhen und Tiefen zur Seite stehen.

Die Rede von Melania Trump beim republikanischen Parteikonvent eine Woche später bildete dazu einen geradezu brutalen Kontrast. Trumps Designer-Kostüm war militärisch olivgrün, sie hatte trotz Corona eine Hundertschaft an Beifallspendern in den Rosengarten des Weißen Hauses geladen. Zu dem Zweck war ein breiter Betonlaufsteg durch die Gartenanlage gelegt worden, die Generationen von First Ladies liebevoll gepflegt hatten.

Trump las monoton ihren Teleprompter ab, man hatte nicht den Eindruck, als ob sie den Text, der für sie geschrieben worden war, voll verdaut hatte. Nichts an ihrem Tonfall oder Ausdruck verriet, dass sie sich tatsächlich um den Zustand der Nation sorgt. Noch, dass sie wirklich glaubt, die USA bräuchten dringend vier weitere Jahre lang ihren Mann im Weißen Haus.

Das öffentliche Bild von Melania Trump hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch gewandelt. Die Tatsache, dass sie sich anfangs weigerte, von New York in das Weiße Haus umzuziehen wurde als klares Zeichen dafür gewertet, dass es in der Ehe zwischen ihr und dem Regierungschef Risse gibt. Die Enthüllungen über Trumps sexuelle Entgleisungen und Übergriffe, so wurde spekuliert, hätten einen Graben zwischen die beiden gelegt. Die Art und Weise, wie Melania Donald in der Öffentlichkeit mit kleinen Gesten schnitt, schien das zu bestätigen. Melania tat einem irgendwie leid.

Das Enthüllungsbuch von Melania Trumps enger Vertrauter Stephanie Wolkoff korrigiert jedoch diesen Eindruck. Laut Wolkoff fühlt sich Trump in ihrem goldenen Käfig überaus wohl. Das Arrangement zwischen dem Immobilienmogul und dem Model hält. Melania genießt die Macht und den Luxus. Die lästigen Pflichten einer First Lady nimmt sie stöhnend in Kauf.

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