Politik

Gesundheit Bund soll Medizinprodukte mehr überwachen / Bundesländer müssen Gesetzentwurf zustimmen

Spahn will Implantate strenger prüfen

Archivartikel

Berlin.Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will Brustimplantate, künstliche Hüften oder Herzschrittmacher strenger kontrollieren lassen, bevor sie Patienten eingesetzt werden. Dazu legte der CDU-Politiker einen Gesetzentwurf vor, der bereits zur Abstimmung an andere Regierungsressorts sowie Verbände verschickt wurde.

Der Skandal ist schon eine Weile her, wirkt aber immer noch nach. Die französische Firma Poly Implant Prothèse hatte jahrelang Brustimplantate aus billigem Industrie-Silikon verkauft. Der Fall war 2010 öffentlich geworden, nachdem es verstärkt Hinweise auf eine erhöhte Reißanfälligkeit der Produkte gegeben hatte. Die Kissen sollen weltweit bei hunderttausenden Frauen eingesetzt worden sein. Allein in Deutschland waren mindestens 5000 betroffen.

Das neue Gesetz, mit dem eine EU-Verordnung für mehr Sicherheit und Qualität bei Medizinprodukten in nationales Recht umgesetzt wird, soll nun dafür sorgen, dass solche Fälle nicht mehr vorkommen. „Wir wollen, dass Medizinprodukte für die Patienten sicher und kein Risiko für sie sind“, erklärte Spahn.

Wie bei der Arzneimittelversorgung, für die der Bund kürzlich per Gesetz erweiterte Sicherheitsbefugnisse bekam, soll er nun mehr Kompetenzen bei der Überwachung der Medizinprodukte erhalten.

Kassen befürworten Änderung

Bislang ist es so, dass die zuständigen Behörden der Länder entscheiden, ob zum Beispiel die Bereitstellung eines zweifelhaften Produkts auf dem Markt untersagt oder ein bereits genutztes zurückgerufen wird. Grundlage dafür ist die Risikobewertung durch Bundesbehörden wie dem Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte und dem Paul-Ehrlich-Institut. Künftig soll gelten, dass diese Institutionen auf Basis ihrer eigenen Risikoeinschätzung selbst alle erforderlichen Maßnahmen zum Schutz vor unvertretbaren Produktrisiken ergreifen. Bleibt allerdings die Frage, ob die Länder da mitmachen. Ohne deren Zustimmung kann das Gesetz nicht in Kraft treten. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach verwies darauf, dass das Vorhaben auch auf den Koalitionsvertrag mit der Union zurückgeht. „Die Sicherheit der Medizinprodukte muss deutlich besser werden als in der Vergangenheit.“ Dafür bringe der Gesetzentenwurf einen Fortschritt, wobei hier aber noch einige Details diskutiert werden müssten, so Lauterbach im Gespräch mit dieser Zeitung.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen reagierte grundsätzlich positiv auf Spahns Vorlage: „Bessere Kontrollen bei Qualität und Sicherheit von Medizinprodukten wären ein Segen für Millionen von Menschen, die ein Medizinprodukt im Körper tragen“, sagte Sprecher Florian Lanz.

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