Politik

Soziales Hubertus Heil pocht auf sein Konzept / Union verlangt genaue Prüfung der Bedürftigkeit / Söder deutet Kompromiss an

SPD-Minister kämpft für Grundrente

Archivartikel

Berlin.Ungeachtet des klaren Neins der CDU zu seinem Plan für eine Grundrente zeigt sich Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) kämpferisch. „Ich werde die Grundrente durchsetzen“, sagte Heil. „Ich werde im Mai einen entsprechenden Gesetzentwurf vorlegen, der drei bis vier Millionen Menschen zielgenau helfen wird.“ Verdi-Chef Frank Bsirske warnte vor einem Scheitern der Pläne. Thüringens SPD-Chef Wolfgang Tiefensee stellte den Fortbestand der großen Koalition in Frage. Heil räumte ein, es seien noch Debatten in der Koalition nötig. Wichtig sei, dass die Koalition zu einer Lösung komme. „Wir dürfen die Menschen nicht enttäuschen.“

Streitpunkt: Union und SPD beharren bisher auf ihren Positionen. „Wir brauchen keine Bedürftigkeitsprüfung“, sagte Heil. Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer hatte ausgeschlossen, „dass die Union einer Grundrente zustimmt, die ohne jede Form der Bedürftigkeitsprüfung auskommt“. Der Koalitionsvertrag sieht so eine Prüfung eindeutig vor.

Argumente: Heil betont: „Es geht um Respekt für die Lebensleistung der Menschen, die sich eine ordentliche Rente verdient haben.“ Die CDU fürchtet, dass dann auch Menschen von der möglicherweise steuerfinanzierten Leistung profitieren, die gar keine staatliche Unterstützung brauchen – etwa weil sie einen Partner mit höheren Einkünften haben. „Wir können bei der Grundrente nicht so tun, als mache es keinen Unterschied, ob ein Ehepaar eine sehr gute und eine kleine Rente bezieht, oder zwei sehr kleine Renten“, so der Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Karl-Josef Laumann. Zumindest die laufenden Einkommen des Haushalts müssten geprüft werden. Verdi-Chef Bsirske meint hingegen, eine Bedürftigkeitsprüfung habe etwas von Demütigung und Entblößung. Er erinnert daran, dass die Union bei der Mütterrente auch nichts dagegen hatte, dass sie auch zum Beispiel an wohlhabende „Zahnarztgattinnen“ geht.

Vor- und Nachteile: Heils Konzept ist mit einem mittleren einstelligen Milliardenbetrag pro Jahr teuer. Laumanns Modell würde seinen Angaben zufolge nur 500 bis 800 Millionen Euro pro Jahr kosten. Aber natürlich würden dann auch deutlich weniger profitieren – nur mindestens eine halbe Million Menschen, wie er sagt. Der Hauptvorteil von Heils Konzept aber wäre wohl, dass die Grundsicherungsämter nichts damit zu tun hätten, sondern es tatsächlich ein Instrument der Rentenversicherung wäre.

Aussichten: Wo der Kompromiss liegen könnte, ist unklar. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte gesagt: „Nichts geht ohne eine Bedürftigkeitsprüfung. Aber mit einer Gerechtigkeitsprüfung kann eine Menge gehen.“ Nicht ausgeschlossen ist, dass sich die Konflikte in der Koalition von der Rente über den Soli bis zum Klimaschutz so auftürmen, dass es im Fall eines SPD-Wahldebakels bei der Europawahl und der Wahl in Bremen im Mai zu einem Bruch kommt. Heil selbst meint, die Koalition dürfe – rund ein Jahr nach ihrem Amtsantritt – nicht stehenbleiben. dpa