Politik

SPD und AfD bei Sonntagsfrage gleichauf

Politische Stimmung in Deutschland

Im ersten Politbarometer nach der Europawahl geht es für die Grünen steil bergauf, erstmals liegen sie vorn. Dies geht zu Lasten fast aller anderen Parteien, am deutlichsten zu Lasten von Union und SPD: Aktuell erreicht die CDU/CSU nur noch schwache 27% (-6), auch die SPD erzielt mit 13% (-5) ihren Tiefstwert. Die AfD erhält 9% (-1), die FDP 7% (+/-0) und die Linke 6% (-2). Die Grünen sind aktuell bei einem Rekordwert von 33% (+10), alle anderen Parteien erhalten zusammen 6% (+3).

Da mit Umfragen aber immer nur Stimmungen in der Bevölkerung zum Zeitpunkt der Befragung gemessen werden, sind Schlussfolgerungen auf eine mögliche Wahlentscheidung an einem weit entfernten Wahltag nicht zulässig.

Die Politbarometer-Ergebnisse sind wie immer politisch nicht gewichtet. Ein Ver­gleich der Wahlabsichtsfrage und der Sympathiemessungen der Politbarometer-Untersuchungen mit den politisch gewichteten Ergebnissen anderer Institute ist daher nur bedingt möglich. Aus diesem Grund veröffentlicht das Politbarometer die „Projektion“, bei der die in den aktuellen Untersuchungen gemessenen poli­tischen Stimmungen auf ein Wahlergebnis für eine Bundestagswahl übertragen werden, falls diese am nächsten Sonntag stattfinden würde.

Dieser errechneten Projektion liegen die Erkenntnisse über die langfristige, sozialstrukturell begründete Stabilität im Wählerverhalten bei Bundestagswahlen zugrunde sowie Erkenntnisse über den theoretischen Ausgang einer Bundestagswahl unter „normalen“ Bedingungen, d. h. ohne die Überzeichnungen in der aktuell gemessenen politischen Stimmung. Berücksichtigt wird dabei auch die fehlende Bekenntnisbereitschaft von den Anhängern der Parteien an den Rändern des Parteienspektrums.

Wäre bereits am Sonntag Bundestagswahl, gäbe es für die SPD einen Rekordtiefstwert und auch die CDU/CSU würde ihr schwächstes Ergebnis einfahren. Einziger Profiteur wären die Grünen, sie lägen nur noch knapp hinter der Union: Nach der aktuellen Projektion käme die CDU/CSU auf 27% (-3) und die SPD auf 13% (-3). Die AfD käme ebenfalls auf 13% (-1), die FDP könnte weiterhin mit 7% rechnen und die Linke mit 7% (-1). Die Grünen kämen mit deutlichen Zuwächsen auf 26% (+6) und alle anderen Parteien zusammen auf 7% (+2). Damit würde es klar für Schwarz-Grün – als einziges Zweierbündnis – reichen.

Zufriedenheit mit der Bundesregierung und den Koalitionspartnern

Die Unzufriedenheit mit der Arbeit von Union und SPD in der Bundesregierung wächst. Auf der Skala von +5 bis -5 (sehr zufrieden bis sehr unzufrieden) wird sie aktuell jetzt mit 0,1 und damit schlechter als zuletzt bewertet (April: 0,3; Mai: 0,3).

Während die Arbeit der CDU/CSU in der Regierung mit 0,1 noch leicht positiv eingestuft wird (April: 0,2; Mai: 0,3), wird die der SPD mit -0,1 im Minusbereich verortet (April: 0,2; Mai: 0,2). 

Beurteilung der Bundesregierung

Ganz allgemein wird die Arbeit der Bundesregierung aktuell von weniger als der Hälfte (49%) positiv bewertet (April: 53%; Mai: 56%), 45% äußern ihre Unzufriedenheit über die amtierende Regierung (April: 43%; Mai: 38%), 6% urteilen darüber nicht (April: 4%; Mai: 6%).

Hält die Bundesregierung bis 2021?

Die Zweifel, dass die Große Koalition die volle Legislaturperiode hält, wachsen: Aktuell rechnen 46% der Befragten mit einem vorzeitigen Bruch (März-I: 23%). 47% (März-I: 71%) glauben dagegen, dass die Regierung aus Union und SPD bis zum Ende der Legislaturperiode Bestand haben wird (weiß nicht: 7%). Nur noch in den Reihen von Union und SPD glaubt jeweils eine Mehrheit (55% bzw. 54%) an den Fortbestand von Schwarz-Rot bis 2021. In allen anderen Parteianhängergruppen überwiegt der Anteil derer, die mit einem früheren Ende der Großen Koalition rechnen (AfD: 68%; FDP: 59%; Linke: 61%; Grüne: 51%). 

Bewertung von Neuwahlen

Auch bei der Beurteilung von Neuwahlen gibt es kein eindeutiges Votum in der Bevölkerung: 36% lehnen solche ab, 38% sprechen sich für vorgezogene Bundestagswahlen aus und 24% sagen „egal“. Abgelehnt werden Neuwahlen von den meisten Anhängern der Union (60%) und der SPD (46%). Dagegen überwiegt in den Anhängerschaften der anderen Parteien jeweils der Anteil derer, die Neuwahlen positiv beurteilen, am stärksten bei der AfD (69%; FDP: 48%; Linke: 54%; Grüne: 47%). 

Gewünschte Koalition

Auf die vorgabenfreie Frage, welche Parteien zusammen die nächste Bundesregierung bilden sollen, wünschen sich 19% ein Bündnis aus Union und Grünen (April: 15%; Mai: 14%) und 11% eine Koalition aus SPD und Grünen (April: 15%; Mai: 13%). 9% präferieren eine große Koalition (April: 11%; Mai: 11%) und 7% ein „Jamaika-Bündnis“ aus CDU/CSU, FDP und Grünen. 6% sprechen sich für Schwarz-Gelb aus (April: 8%; Mai: 10%) und ebenfalls 6% für Rot-Rot-Grün (April: 5%; Mai: 6%). Andere Bündnisse werden insgesamt von 23% genannt (April: 20%; Mai: 24%), 19% antworten mit „weiß nicht“ (April: 23%; Mai: 19%). 

Beurteilung der Arbeit von Angela Merkel

69% der Deutschen bewerten die Arbeit von Angela Merkel als Regierungschefin mit „gut“ (April: 69%; Mai: 71%), 28% attestieren der Kanzlerin eher schlechte Leistungen (April: 27%; Mai: 26%), 3% äußern sich dazu nicht (April: 4%; Mai: 3%).   

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