Politik

Wissenschaft Markus Söder (CSU) verteidigt Investition / Freistaat lässt sich Präsenz im All 700 Millionen Euro kosten

Spott für Bayerns Raumfahrtprogramm

Archivartikel

München.Als Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) vor einem halben Jahr ein bayerisches Raumfahrtprogramm unter dem Namen „Bavaria One“ ankündigte, spottete die Landtagsopposition über den „Größenwahn“ des Regierungschefs. Doch der ließ sich nicht beirren. Kurz vor der Landtagswahl beschloss sein Kabinett nun die Raumfahrt-Strategie. 700 Millionen Euro sollen in den nächsten zehn Jahren fließen.

Einer der Schwerpunkte von „Bavaria One“ ist Entwicklung, Bau und Start eines Erdbeobachtungssatelliten namens „BayernSat“ als Gemeinschaftsvorhaben von Industrie, Hochschulen und außeruniversitärer Forschung, kündigte Söder an. Noch innerhalb der nächsten Legislaturperiode des Landtags, die 2023 endet, soll „BayernSat“ den Freistaat von oben betrachten und beispielsweise Daten zur Ausbringung von Dünger und Pestiziden auf landwirtschaftlichen Flächen liefern.

Schüler steuern Satelliten

Der Ex-Astronaut und Inhaber des Lehrstuhls für Raumfahrttechnik an der technischen Universität München (TUM), Ulrich Walter, hatte die Mitglieder des bayerischen Kabinetts mit seiner Begeisterung angesteckt. Schon bald, so Walter, könnten zum Beispiel bayerische Schüler die Kamera „ihres“ Satelliten im All vom Klassenzimmer aus steuern.

Bestandteil von „Bavaria One“ ist eine 400 Meter lange „Hyperloop“-Teststrecke in Ottobrunn bei München. Eine TUM-Expertengruppe hat bereits ein Forschungsprojekt ausgearbeitet, bei dem Transportkapseln in Röhren Personen und Güter mit bis zu Schallgeschwindigkeit befördern sollen. Geographischer Dreh- und Angelpunkt der Aktivitäten soll der Ludwig-Bölkow-Campus der TUM in Ottobrunn werden. An der Uni wurde bereits eine neue Fakultät für Luftfahrt, Raumfahrt und Geodäsie gegründet. Diese soll 132 neue Stellen erhalten, darunter 30 zusätzliche Professuren, so dass im Endausbau 50 Professoren für 2000 Studierende zur Verfügung stehen. 30 Millionen Euro will der Freistaat pro Jahr in die neue Fakultät investieren.

Erneuter Spott angesichts der Ankündigungen ließ nicht lange auf sich warten. Vor allem in sozialen Netzwerken erntete Söder mit einem Wahlkampfauftritt vor einem „Bavaria One“-Logo Häme und Kritik. Verärgert wies der Ministerpräsident diese zurück. Bayern werde auf Dauer nur erfolgreich sein, wenn der Freistaat den Blick in die Zukunft wage, betonte Söder.

Zum Thema