Politik

Russland Juri Dmitrijew wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt

Straflager für Historiker

Moskau.Der russische Historiker Juri Dmitrijew ist nach seinem Einsatz für Aufklärung von Verbrechen unter Sowjetdiktator Josef Stalin zu dreieinhalb Jahren Straflager verurteilt worden. Offiziell erging der Schuldspruch in Petrosawodsk am Mittwoch, weil der 64-Jährige seine Adoptivtochter sexuell missbraucht haben soll. Aber die Menschenrechtsorganisation Memorial, für die Dmitrijew arbeitete, kritisierte die Vorwürfe als Erfindung, um den Geschichtswissenschaftler mundtot zu machen. Russland kennt viele solcher Fälle – und es werden immer mehr.

Wie in einer Videoschalte von Memorial aus dem Norden Russlands zu sehen war, machte sich trotz des Schuldspruchs Erleichterung breit. Die Staatsanwaltschaft hatte 15 Jahre Haft beantragt. Unter Anrechnung seiner Untersuchungshaft könnte Dmitrijew im November freikommen. Memorial kritisiert die Vorwürfe gegen ihn als „besonders brutal“. „Opfer ist nicht nur Dmitrijew, sondern auch seine Tochter, die um ihr Leben in ihrer Familie gebracht wurde.“ Beweise für eine Schuld Dmitrijews gibt es auch laut Gutachten nicht. Doch den Behörden gefiel vor allem nicht, dass der Historiker den Verbrechen unter Stalin nachspürte. Das Kulturministerium in der Republik Karelien sah die Gefahr, dass dadurch der „internationale Ruf Russlands“ Schaden nehmen könnte. dpa

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