Politik

Lateinamerika Staatschef Maduro macht Sabotage für Störung verantwortlich / Opposition um Interimspräsident bezeichnet Regierung als unfähig

Stromausfall legt Venezuela lahm

Archivartikel

Caracas.Ein massiver Stromausfall hat weite Teile Venezuelas lahmgelegt. In der Hauptstadt Caracas waren Medienberichten zufolge gestern nur wenige Menschen auf der Straße unterwegs. Die Regierung von Staatschef Nicolás Maduro gab Schülern und Beschäftigten frei. Das solle die Reparaturarbeiten erleichtern, sagte Vizepräsidentin Delcy Rodríguez einem Fernsehsender.

Bereits ab Donnerstagabend waren zahlreiche Regionen des südamerikanischen Landes ohne Elektrizität. In Caracas kam es zu einem Verkehrschaos. Mitten im Feierabendverkehr fiel die Metro aus, zahlreiche Ampeln funktionierten nicht. Der Grund für den Stromausfall war zunächst unklar. Informationsminister Jorge Rodríguez sprach von Sabotage und machte Feinde der sozialistischen Regierung für den Stromausfall verantwortlich. Allerdings ist auch die Infrastruktur in dem einst reichen Land marode. Kürzere Stromausfälle gehören zur Normalität.

Venezuela leidet unter einer schweren Wirtschafts- und Versorgungskrise. Viele Menschen hungern, über drei Millionen Venezolaner haben ihre Heimat bereits verlassen. Zudem liefern sich Staatschef Maduro und der selbst ernannte Interimspräsident Juan Guaidó seit Wochen einen erbitterten Machtkampf. „Dieser vom US-Imperialismus angekündigte und angeführte Stromkrieg gegen unser Volk wird scheitern“, schrieb Maduro auf Twitter.

Deutschland hält an Guaidó fest

Guaidó hingegen machte Maduros Regierung für den Stromausfall verantwortlich. „Kein Licht im Land mit den größten Ölreserven der Welt“, schrieb er auf Twitter. „Das Volk weiß, dass das Licht kommt, wenn die unrechtmäßige Machtübernahme endet.“ Auch US-Außenminister Mike Pompeo kritisierte Maduro, der von Washington nicht länger als rechtmäßiger Präsident anerkannt wird. „Der Stromausfall und die Verwüstung, die einfache Venezolaner betrifft, hat nichts mit den USA zu tun. Energieknappheit und Hunger sind das Ergebnis der Unfähigkeit von Maduros Regime“, schrieb er auf Twitter.

Zahlreiche Länder, darunter auch Deutschland, haben Guaidó bereits als legitimen Übergangspräsidenten anerkannt. Wegen der Parteinahme für den Oppositionsführer muss der deutsche Botschafter Daniel Kriener jetzt die Koffer packen: Maduro hat Kriener zur unerwünschten Person erklärt und des Landes verwiesen.

Botschafter ausgewiesen

Der Diplomat hatte am Montag gemeinsam mit Kollegen aus anderen Ländern Guaidó am Flughafen von Caracas erwartet. Damit wollten sie offenbar verhindern, dass der Oppositionsführer bei seiner Rückkehr festgenommen wird. Maduro sah im Verhalten des Diplomaten eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes. dpa