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Energie Bundesnetzagentur registriert dieses Jahr starken Sprung nach oben / Niedrigere EEG-Umlage soll ab 2021 entlasten

Strompreis auf Rekordhöhe

Archivartikel

Bonn/Mannheim.Strom war für die Privathaushalte in Deutschland noch nie so teuer wie in diesem Jahr. Erstmals mussten sie nach Berechnungen der Bundesnetzagentur im Durchschnitt mehr als 30 Cent pro Kilowattstunde zahlen. Für den Stichtag 1. April ermittelte die Behörde einen Durchschnittspreis von 30,85 Cent je Kilowattstunde. Das war fast ein Cent mehr als zum gleichen Zeitpunkt des vergangenen Jahres, wie aus Zahlen der Bundesnetzagentur hervorgeht.

Auch Gaskunden betroffen

Der Preisanstieg beim Strom um fast 3,3 Prozent ist der stärkste der vergangenen Jahre. Am 1. April 2018 hatte der Durchschnittspreis für eine Kilowattstunde 29,88 Cent betragen. Die Bundesnetzagentur wertet die Daten von weit mehr als 1000 Stromlieferanten aus und ermittelt daraus einen Durchschnittspreis über alle Vertragsarten. Sowohl der Mannheimer Energieversorger MVV als auch die Karlsruher EnBW hatten zum Jahreswechsel 2018/2019 ihre Preise erhöht.

Erstmals seit 2014 wurde bundesweit auch Gas für Haushaltskunden teurer. Der Durchschnittspreis je Kilowattstunde stieg um fast 4,5 Prozent auf 6,34 Cent. Und es könnte noch weiter nach oben gehen. Nach Angaben des Heidelberger Vergleichsportals Verivox haben bereits 40 örtliche Gasversorger Preiserhöhungen angekündigt.

Preistreiber beim Strom waren laut Netzagentur in diesem Jahr die von den Lieferanten beeinflussbaren Kosten, die etwa ein Viertel des gesamten Strompreises ausmachen. Auf den Stromrechnungen stieg der Anteil für Beschaffung, Vertrieb und die Handelsspanne der Versorger um 0,91 Cent auf 7,61 Cent je Kilowattstunde. Das ist ein Plus von rund 13,6 Prozent. Damit schlug vor allem der Anstieg der Großhandelspreise auf die privaten Stromrechnungen durch. Verbraucherschützer kritisieren, dass die Lieferanten Anstiege an der Strombörse deutlich schneller weitergeben als fallende Preise. „Bei sinkenden Beschaffungspreisen müssen die Kunden oft jahrelang warten, bis diese Entwicklung auf ihrer Rechnung ankommt. Steigen die Preise, haben sie dagegen schnell Post vom Versorger“, sagte der Energieexperte der Verbraucherzentrale NRW, Udo Sieverding.

Die Großhandelspreise für Strom könnten weiter steigen. Damit rechnet jedenfalls der größte deutsche Stromerzeuger RWE. Die Stilllegung weiterer Kraftwerke bei der Energiewende und der Ausstieg aus der Kernkraft würden zu einer Verknappung führen, hatte RWE-Finanzchef Markus Krebber gesagt. Schon jetzt seien die Preise für Stromlieferungen im kommenden Jahr gestiegen.

Der größte Block auf der Stromrechnung sind aber Steuern, Abgaben und Umlagen, auf die mehr als die Hälfte des gesamten Preises entfallen. Ab 2021 wird die EEG-Umlage, mit der der Ausbau erneuerbarer Energien finanziert wird, gesenkt. Das ist Teil des Klimapakets der Regierung und soll Verbraucher entlasten.

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