Politik

Bildung Bertelsmann Stiftung erwartet besonders starken Mangel an Grundschulen

Studie: 2025 fehlen noch mehr Lehrer

Gütersloh.Die Zahl der nicht besetzten Lehrerstellen an den Grundschulen in den kommenden Jahren wird nach einer Prognose der Bertelsmann-Stiftung noch höher sein als bislang berechnet. Bis 2025 werden demnach mindestens 26 300 Lehrer fehlen. Damit sei die Lage noch dramatischer als von der Kultusministerkonferenz (KMK) erwartet, teilte die Stiftung am Montag in Gütersloh mit. Die KMK hatte im vergangenen Oktober einen Mangel von 15 300 Grundschullehrern im Jahr 2025 errechnet.

Karliczek: Ansehen fördern

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, die Anstrengungen müssten verstärkt werden, mehr junge Leute für den Lehrerberuf zu gewinnen. „Sicherlich müssen wir überlegen, wie wir unsere Prognoseinstrumente weiterentwickeln, um rechtzeitig gegensteuern zu können“, sagte sie. Es brauche auch mehr Ausbildungskapazitäten an den Hochschulen. „Wir benötigen aber auch eine moderne Lehrerbildung in all ihren Phasen und eine Steigerung des gesellschaftlichen Ansehens dieses wichtigen Berufes.“

Die Studie der Stiftung bezieht sich auf die Bevölkerungsprognose des Statistischen Bundesamts aus dem vergangenen Juni. Sie geht für das Jahr 2025 von rund 3,25 Millionen bis 3,32 Millionen Kindern zwischen sechs und zehn Jahren aus. Die Experten der Studie orientierten sich nach eigenen Angaben an der fast niedrigsten Variante – und kamen dabei bereits auf ein Plus von 168 000 Kindern zur Zahlenbasis der Kultusministerkonferenz. Die Folge: Für 2025 müssten noch mal 11 000 Lehrer mehr eingestellt werden, als von der KMK ermittelt. So komme man auf die Zahl von 26 300 fehlenden Grundschullehrern.

„Dass der Bedarf an Grundschullehrern größer ist als zunächst angenommen, zeigen auch unsere aktuellen Zahlen, dies ist also nichts Neues. Die Bertelsmann-Zahlen sind nun ein Jahr frischer als die KMK-Zahlen, aber die Statistik-Kommission der KMK wird nächste Woche aktuelle Zahlen in ähnlicher Größenordnung beraten“, sagte der KMK-Präsident und hessische Kultusminister, Alexander Lorz. Die Lage in den einzelnen Ländern stelle sich aber sehr unterschiedlich dar. „Es ist nicht so, dass in ganz Deutschland voll ausgebildete Lehrkräfte flächendeckend zu tausenden fehlen. Die Bedarfe unterscheiden sich deutlich zwischen den Schularten und den Fächern“, sagte Lorz.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte mit Blick auf die Studie erneut, den Numerus clausus für das Lehramt an Grundschulen abzuschaffen sowie die Zahl der Studien- und Lehramtsanwärterplätze auszubauen.

Die Bertelsmann-Stiftung hatte im Januar 2018 bereits eine Studie mit ähnlichen Zahlen veröffentlicht, die allerdings auf einer älteren Bevölkerungsprognose aufbaute. Die neue Studie sei „ein Weckruf“, sagte Studienautor Dirk Zorn. Die Stiftung plädiert daher für schnelle Lösungen. So solle man zum Beispiel Quereinsteiger mit Fachstudium, aber ohne Lehramtsabschluss einstellen oder angehende Ruheständler ermuntern, länger zu unterrichten. dpa

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