Politik

Luftreinhaltung Akademie empfiehlt Verkehrswende

Studie hält Fahrverbote für sinnlos

Berlin.Die Gegner von Diesel-Fahrverboten haben Unterstützung von Wissenschaftlern der Nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina bekommen. Derart kleinräumige Maßnahmen brächten „keine wesentliche Entlastung“ für die Umwelt und seien auch „gesundheitlich wenig sinnvoll“, heißt es in einer Stellungnahme. Notwendig seien vielmehr eine nachhaltige Verkehrswende und eine bundesweite Strategie zur Luftreinhaltung.

Unterschied zu Fachmedizinern

Die Aufregung war groß, als sich im Januar mehr als 100 Lungenärzte zu Wort gemeldet hatten, um Gesundheitsgefahren durch Stickoxide in Zweifel zu ziehen. So groß, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Nationale Wissenschaftsakademie um Stellungnahme bat. Nun liegt die Expertise vor. Und sie unterscheidet sich deutlich von der Lesart der Fachmediziner. „Stickstoffoxide können die Symptome von Lungenerkrankungen wie Asthma verschlimmern und tragen zur Bildung von Feinstaub und Ozon bei“, heißt es. Und weiter: „Feinstäube können unter anderem Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauf-Krankheiten und Lungenkrebs verursachen“.

Auch die Grenzwerte für Stickoxid, die die Grundlage für gerichtlich angeordnete Diesel-Fahrverbote in vielen Innenstädten bilden, halten die Experten nicht für überzogen. Zugleich weisen sie allerdings darauf hin, dass „eine exakte Grenzziehung zwischen gefährlich und ungefährlich“ weder für Stickstoffdioxid noch für Feinstaub möglich sei.

Nach Erkenntnissen der Forscher ist Feinstaub deutlich schädlicher als Stickstoffdioxid. In ihren Handlungsempfehlungen geben die Wissenschaftler auch dem Diesel eine Zukunftschance. Eine „motornahe Anordnung der Abgasnachbehandlung“ bei Diesel-Pkw sowie optimierte Getriebe und eine verbesserte Aerodynamik führten zu einer Minderung von Stickstoffoxid- und Partikelemissionen, heißt es. Zugleich wird ein Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs gefordert. Auch höhere Kraftstoffsteuern seien das „Mittel der Wahl“, um die Fahrleistung zu reduzieren.