Politik

Serie "Die Krise und ich"

Supermarktbetreiber Roger Mail: "Ausgehen wird uns die Ware nicht. Trotzdem ist die Situation gespenstisch"

Archivartikel

Mannheim.Seit 30 Jahren führen wir unseren Familienbetrieb in der Seckenheimer Straße, aber so etwas wie zurzeit habe ich noch nicht erlebt. Vor 14 Tagen ging es los, da standen am Wochenende plötzlich knapp doppelt so viele Leute im Laden wie sonst. Und die haben die Regale schneller leergekauft, als wir sie nachfüllen konnten. Toilettenpapier, Küchenrolle, Mehl, Zucker, Nudeln – alles weg. Sogar Konserven. Seither gibt es Lieferschwierigkeiten. Inzwischen wird es auch im Obst- und Gemüsebereich eng. Orangen und Zitronen sind sehr gefragt – alles, was Vitamin C hat. 20 bis 25 Prozent des Sortiments sind zurzeit nicht mehr oder nur teilweise verfügbar. Die Ware liegt zwar in den Großlagern. Aber die Speditionen kommen mit dem Ausliefern nicht mehr hinterher.

Wir haben nun Beschränkungen eingeführt. Jeder Kunde darf nur noch eine Packung Toilettenpapier kaufen. Beim Mehl sind es drei Päckchen. Ausgehen wird uns die Ware nicht: Irgendwas kommt immer rein. Trotzdem ist die Situation gespenstisch.

Am Wochenende müssen wir Einlasskontrollen einführen. Mehr als 60 Kunden dürfen nicht in den Laden, um die Sicherheitsabstände einhalten zu können. An den Kassen haben wir Markierungen auf den Boden geklebt, damit die Menschen nicht zu dicht stehen. Das klappt ganz gut.

Trotzdem sind unsere 60 Mitarbeiter natürlich verängstigt, weil man sich ab und zu, gerade an der Kasse, schon sehr nahekommt. Und wenn einer anfängt zu husten, drehen sich gleich 20 Köpfe um. Das ist schon sehr beängstigend. Umso bewundernswerter finde ich es, wie sich meine Leute schlagen! Sonntagsarbeit, wie es teils diskutiert wird, will ich ihnen nicht auch noch zumuten. Wir sind jetzt schon am Limit.

Roger Mail, 64, Supermarktbetreiber aus Mannheim

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