Politik

Atomstreit Präsident Moon Jae In und Machthaber Kim Jong Un unterzeichnen Vereinbarung zum Abbau von Nuklearwaffen

Tauwetter auf Koreanisch

Archivartikel

Pjöngjang.Ernst, fast angespannt schreitet Moon Jae In auf dem mit Marmorsäulen geschmückten Flur im Paekhwawon Staatsgästehaus in Pjöngjang entlang. Südkoreas Präsident geht auf einen Raum zu, in dem zwei schwere Tische mit Stühlen bereitstehen, auf denen er und der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un eine neue Gipfelerklärung unterzeichnen werden, die es in sich hat. Überraschend enthält sie eine Fülle von Vereinbarungen, die die innerkoreanischen Beziehungen vorantreiben und letztlich auch zur Fortsetzung der Verhandlungen zwischen Nordkorea und Washington führen sollen.

Kurz nach Mitternacht in Washington reagiert US-Präsident Donald Trump noch schnell. So schnell, dass zunächst nicht klar war, auf welchen Teil der Gipfelübereinkunft er sich mit seiner Bemerkung auf Twitter, Nordkorea lasse „Atominspekteure“ zu, bezog. Wie auch immer, Trump sieht „sehr spannende“ Vereinbarungen. Nordkorea ist bereit, weitere Schritte zur atomaren Abrüstung zu unternehmen, heißt es in der „Erklärung in Pjöngjang“. Dazu soll auch die Schließung der wichtigsten Atomanlage Yongbyon nördlich der Hauptstadt gehören. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass die USA korrespondierende Maßnahmen „im Geist ihrer gemeinsamen Erklärung vom 12. Juni“ in Singapur unternähmen, heißt es.

In dem südostasiatischen Stadtstaat trafen sich Trump und Kim zu einem historischen Gipfel, um eine friedliche Ära in ihren von jahrzehntelanger Feindseligkeit geprägten Beziehungen einzuläuten. Doch die Erklärung wurde für ihre vagen Formulierungen kritisiert.

Konkreter Zeitplan fehlt

Ein Vertreter der südkoreanische Regierung sprach jetzt nach dem dritten innerkoreanischen Gipfel in Pjöngjang gar von „praktischen Schritten“ zur Denuklearisierung, die Nordkorea unternehmen wolle. Doch bleibt die Gipfelerklärung erneut die Antwort auf die Frage schuldig, wie und bis wann – wie von den USA gefordert – auch die Atomwaffen und Interkontinentalraketen abgerüstet werden sollen.

Die Schließung des Yongbyon-Komplexes, in dem Nordkorea jahrelang sein Plutonium für Atombomben produziert hat, wäre solch ein wichtiger Schritt. Kim kündigte zudem an, seine Raketenstartanlage Sohae an der Westküste zerstören zu lassen. Kim würde damit ein Versprechen einlösen, dass er schon Trump gegeben hatte. Die Demontage soll von ausländischen Experten bezeugt werden. Doch reichen Trump die Vereinbarungen von Pjöngjang aus, wieder mit Kim zu verhandeln? Kommentatoren waren sich einig, dass Kim jetzt den Ball wieder den USA zuspielen wollte. Der Gipfel habe die Aussicht auf einen weiteren Trump-Kim-Gipfel zumindest wieder aufgehellt. Die Aufmerksamkeit richtet sich jetzt auf Trumps Treffen mit Moon am nächsten Montag. Am Rande der UN-Vollversammlung in New York wird ihn Moon über die Ergebnisse des dritten Korea-Gipfels in diesem Jahr unterrichten. Moons Vermittlerrolle kommt nicht zufällig zustande – sie ist von Nordkorea und den USA gewünscht.

Experten optimistisch

Mit der Rolle setzt sich Moon selber stark unter Druck. In den USA regt sich die Sorge, die innerkoreanischen Beziehungen könnten sich weit rascher entwickeln, ohne dass die Atomverhandlungen vorankommen. Diese waren festgefahren. Trump pfiff im August Außenminister Mike Pompeo zurück, der einen neuen Besuch in Pjöngjang geplant hatte. Es gab aus seiner Sicht nicht genug Fortschritte im Atomstreit.

Experten bewerten den Korea-Gipfel positiv. Das Treffen müsse man als Teil eines langen politischen Prozesses verstehen, sagte der Leiter für Verteidigungsstudien an der US-Denkfabrik Center for National Interest, Harry Kazianis, in Seoul. „Das ist nicht Libyen. Das ist ein ausgereiftes Atomwaffenprogramm“, sagt er zu Pjöngjangs Arsenal. Es werde lange dauern, um Nordkoreas Programm zu beseitigen.

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