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Teil der Therapie

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Ionenstrahltherapie gegen Gehirntumoren, Antikörper gegen bislang schwer behandelbare Krebsarten, Früherkennung mit immer genaueren bildgebenden Verfahren: Die Fortschritte in der Medizin schreiten in beeindruckendem Tempo voran. Davon profitieren auch viele Krebspatienten. Nie war die Wahrscheinlichkeit, diese tückische Krankheit zu überleben, so groß wie heute. Doch vor lauter Spitzentechnologie wird das Naheliegende mitunter vernachlässigt. Zum Beispiel, dass Bewegung entscheidend zum Erfolg einer Krebstherapie beitragen kann.

Studien zum Thema belegen eindeutig die positiven Effekte – in der Vorsorge, als begleitende Therapie und in der Nachsorge. Je nach Tumor sinkt das Sterberisiko von Krebspatienten, die regelmäßig Sport treiben, um 20 bis 40 Prozent. Es gibt wenige Medikamente, die solche Erfolge für sich reklamieren können. Dass dennoch nur die wenigsten Betroffenen ein systematisches Training durch geschultes Personal erhalten, ist inakzeptabel.

Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg versucht, diese Lücke in der Versorgung zu schließen. Theoretisch und praktisch. So werden an der gemeinsamen Einrichtung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und des Universitätsklinikums Heidelberg wissenschaftliche Studien durchgeführt, um die Sporttherapie auf möglichst fundierte Beine zu stellen. Zudem können alle Patienten am Standort an einem auf sie zugeschnittenen Bewegungsprogramm teilnehmen. Mehr noch: Das vom NCT zunächst für die Metropolregion Rhein-Neckar gegründete Netzwerk Onko-Aktiv mit seinen Sportstudios wird derzeit in weiteren Regionen Deutschlands etabliert. Erklärtes Ziel: Jeder Krebspatient in ganz Deutschland soll in seiner Heimat Zugang zu einer Bewegungstherapie bekommen.

Das ist auch bitter nötig. Jeder vierte Todesfall in Deutschland ist auf Krebs zurückzuführen. Und trotz der Fortschritte in der Medizin steigt die Zahl der Neudiagnosen Jahr für Jahr. Für Deutschland erwartet das DKFZ in den kommenden 20 Jahren gar einen Anstieg von derzeit 500 000 auf dann 600 000 Fälle. Das liegt vor allem daran, dass die Lebenserwartung steigt und Krebs besonders häufig im Alter zuschlägt.

Neue Technologien allein werden dieses Problem nicht lösen können. Vielmehr braucht es im Kampf gegen die Volkskrankheit eine Vielzahl von Ansätzen. Und so verwundert es nicht, dass DKFZ-Chef Michael Baumann die Menschen anlässlich des Weltkrebstages zu einer gesünderen Lebensweise inklusive mehr Bewegung aufruft.

Wichtiger als Worte wäre es allerdings, die Sporttherapie endlich als festen Bestandteil einer jeden Krebsbehandlung anzubieten. Mit unkomplizierten Überweisungen und klar geregelten Erstattungen durch die Krankenkassen.

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