Politik

El Paso Junger Mann erschießt an der texanisch-mexikanischen Grenze 20 Menschen / „Hispanische Invasion“ als Begründung

Terror aus dem rechten Lager

El Paso.Die rund 1000 Kilometer lange Anfahrt zum „mexikanischen Walmart“ in der mehrheitlich von Latinos bewohnten US-Grenzstadt El Paso dauert zehn Stunden. Zeit genug für den 21-Jährigen aus dem blütenweißen Bilderbuch-Vorort von Dallas, seinen teuflischen Plan noch einmal zu überdenken. Doch der junge Mann ist entschlossen.

Die Sicherheitskamera hält die Zeitmarke 10:39:35 fest, als er am Samstag den Walmart im „Cielo Vista“-Einkaufszentrum betritt. Dann folgt ein Horror-Szenario. Gewehrfeuer im Stakkato, 20 Leichen auf dem Boden, Menschen, die Deckung suchen, Pulverdampf, Schreie und Chaos. Ein Massaker.

Nach den Motiven muss nicht lange gesucht werden. „Dieser Anschlag ist eine Antwort auf die hispanische Invasion von Texas’“, heißt es in dem kurz vor der Tat veröffentlichten Manifest.

Der Verfasser nennt den Attentäter von Christchurch in Neuseeland sein Vorbild und beklagt die angebliche „Übernahme“ seines „geliebten Texas“ durch Latinos. Seine Logik ist so einfach wie brutal. „Wenn wir genügend Leute loswerden, kann unser Weg zu leben nachhaltiger werden.“

Übliche rassistische Ideologie

Analysten erkennen dahinter dieselbe rassistische Ideologie, auf die sich weiße Terroristen von den Anschlägen auf die schwarze Kirche in Charleston über die Moschee in Christchurch bis hin zu den Synagogen in Pittsburgh und Poway berufen haben. Diese steckte auch hinter den Rufen „Juden werden uns nicht ersetzen“, die 2017 bei dem Fackelmarsch weißer Nationalisten durch die Straßen von Charlottesville (Virginia) schallten.

Donald Trump versäumte es seinerzeit, sich eindeutig vom Hass der Demonstranten zu distanzieren. Der US-Präsident ließ sich diesmal im Weißen Haus über die Details des Massakers informieren. Es gebe „keinen Grund und keine Ausrede, die jemals das Töten unschuldiger Menschen rechtfertigen könnte“, twittert er. „Gott sei mit Euch allen.“

Hass als Motiv

Wie sehr die Bedrohung in den USA gestiegen ist, illustriert eine Statistik der Bundespolizei. Demnach kamen seit dem 11. September 2001 mehr Menschen bei Anschlägen einheimischer Terroristen ums Leben als bei den Anschlägen in New York, Washington und Pennsylvania. FBI-Chef Christopher Wray sagte dem Kongress kürzlich, in diesem Jahr seien bereits mehr als 100 Personen wegen des Verdachts auf Vorbereitung einheimischer Terroranschläge festgenommen worden.

„Das Motiv ist Hass“, ist sich auch die neue Kongressabgeordnete von El Paso, Veronika Escobar, sicher. Die Grenzregion mit den beiden ineinander übergehenden Schwesterstädten El Paso (USA) und Juarez Ciudad (Mexiko), in der rund zwei Millionen Menschen leben, sei ein Ort des friedlichen Miteinanders gewesen. „Das war jemand, der von außen in unsere Gemeinde gekommen ist, um uns zu schaden.“

Schuldzuweisung Richtung Trump

In den vergangenen Monaten geriet El Paso als Brennpunkt der Flüchtlingskrise in die Schlagzeilen. Die US-Regierung versuchte, angesichts der Ankunft tausender Asylbewerber aus Zentralamerika hier ein Exempel zu statuieren. Für weltweite Schlagzeilen sorgten im März die Bilder von Menschen, die US-Beamte tagelang unter der „Paso del Norte“-Grenzbrücke wie Vieh hinter Maschendraht eingepfercht hatten.

Der aus El Paso stammende Analyst und Bestseller-Autor Richard Parker meint, das Massaker sei ein Nebenprodukt der Trump-Ära mit ihrer unmenschlichen Flüchtlings- und Einwanderungspolitik. „Die Anfänge liegen beim Präsidenten der Vereinigten Staaten.“

Andere Kritiker weisen auf die verblüffende Parallelität bei der Wortwahl hin. So gebrauche Trump regelmäßig das Bild einer „Invasion“ des Landes aus dem Süden. Beto O’Rourke, der Trump im November 2020 herausfordern will und aus El Paso stammt, hält der Regierung Untätigkeit beim weitgehend uneingeschränkten Zugang zu Waffen in den USA vor. „Eine Zukunft, in der jedes Jahr 40 000 Menschen ihr Leben wegen Waffengewalt verlieren, kann ich nicht akzeptieren.“

Allein in diesem Jahr registrierte das gemeinnützige „Gun Violence Archive“ bereits 249 Angriffe mit Schusswaffen. Das erste August-Wochenende ragt besonders heraus, weil es in der Nacht zum Sonntag auch in einem Kneipenviertel von Dayton (US-Bundesstaat Ohio) zu einer Schießerei mit mindestens zehn Toten und sechzehn Verletzten kam. Nach Informationen von Reportern vor Ort besteht kein Zusammenhang zu dem mutmaßlichen Terrorakt von El Paso.

Und aus Chicago wurde ein Vorfall gemeldet, bei dem sieben Menschen durch Schüsse aus einem Auto verletzt wurden.

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