Politik

Pandemie Bayern will Corona-Untersuchung für alle möglich machen / Schlachthöfe auf Gesundheits-Prüfstand

Testen lassen – der Freistaat zahlt

Stuttgart/München.Baden-Württemberg hadert noch, Bayern macht kurzen Prozess: Im Freistaat soll sich künftig jeder auf das Coronavirus testen lassen können – ob er Symptome hat oder nicht. Die Tests sollen „massiv“ ausgeweitet werden, wie Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) am Sonntag in München erklärte. Sie kündigte eine „Corona-Testoffensive“ an: „Allen Bürgerinnen und Bürgern Bayerns wird deshalb zeitnah angeboten, sich bei einem niedergelassenen Vertragsarzt auch ohne Symptome testen zu lassen.“ Die Kosten will der Freistaat übernehmen.

Mehr Infizierte

Das Land Baden-Württemberg zeigt sich auf Anfrage dieser Redaktion erst einmal verhalten. Man wolle seine Corona-Test-Strategie erst am Dienstag im Kabinett vorstellen, heißt es im Sozialministerium. Man habe die „Test-Offensive“ in Bayern zur Kenntnis genommen, sagte ein Sprecher des Sozialministeriums am Sonntag. Ob diese Strategie auch für den Südwesten infrage käme, dazu könne vorab noch keine Stellung bezogen werden, so der Sprecher.

In Kürze will Bayern zudem in Fleischbetrieben die Belegschaft auf das Coronavirus testen. Betroffen seien neun Schlachthöfe, die in eine zweite Testrunde gehen, und jeweils zwölf Zerlegebetriebe sowie Betriebe mit dem Schwerpunkt auf der Herstellung von Fleischerzeugnissen, teilte die Huml am Sonntag in München mit. Die Tests sollen Infektionsausbrüchen wie bei dem westfälischen Fleischproduzenten Tönnies in Gütersloh vorbeugen.

Nach dem massiven Coronavirus-Ausbruch ist die Zahl der Infizierten auch in der übrigen Bevölkerung dort „merklich“ gestiegen. Wie der Kreis mitteilte, wurden in den vergangenen sieben Tagen bis Freitag 75 Menschen positiv auf das Virus getestet, die keinen Bezug zu dem Unternehmen haben. Das waren 28 mehr als im Vergleichszeitraum einen Tag zuvor. Grund für den Anstieg sei wohl vor allem die Ausweitung der Tests, viele der Infizierten zeigten aber keine Symptome, erklärte die Behörde.

Nach den Vorfällen bei Tönnies muss die Fleischindustrie in Nordrhein-Westfalen künftig Beschäftigte auf ihre Kosten mindestens zwei Mal pro Woche auf das Coronavirus testen lassen. Die neue Vorgabe gilt ab 1. Juli für Schlachthöfe, Zerlegebetriebe und fleischverarbeitende Betriebe mit mehr als 100 Beschäftigten, wie das Landesministerium für Arbeit und Gesundheit in Düsseldorf mitteilte. Bei den ersten umfassenden Corona-Reihentestungen von Mitarbeitern an 51 Schlachthöfen in Bayern waren nach Ministeriumsangaben insgesamt 110 Menschen positiv auf SARS-CoV-2 getestet worden. 

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