Politik

Protest Tausende Palästinenser demonstrieren bei „Marsch der Rückkehr“

Tote und Verletzte in Gaza

Archivartikel

Jerusalem.Dichte Tränengasschwaden hüllten gestern das Grenzgebiet zum Gazastreifen ein. Kanonenschläge und das Zischen sonstiger Geschosse, die israelische Soldaten gezielt gegen die die mit Steinen und Molotowcocktails bewaffneten Rädelsführer einer palästinensischen Massendemonstration mit rund 30 000 Teilnehmern einsetzten, lieferten die bedrohliche Geräuschkulisse.

Was als friedliche Großkundgebung angekündigt war, endete in blutigen Zusammenstößen. Gleich an fünf Stellen des Grenzverlaufs spielten sich dramatischen Szenen ab: Menschenmengen, unter ihnen Familien mit Kind und Kegel, stoben in Panik auseinander, während immer wieder Tote und Verletzte auf Händen abtransportiert wurden. Ein symbolträchtiges Datum hatten die Organisatoren in Gaza für den „Marsch der Rückkehr“ gewählt: den sogenannten Land-Tag, der an die palästinensischen Proteste gegen Landkonfiszierung vom 30. März 1976 erinnert. Damals waren sechs unbewaffnete arabische Demonstranten von der israelischen Polizei erschossen worden. Aus Solidarität finden seitdem jährliche Kundgebungen zu ihrem Gedenken statt, nicht nur in Israel, auch in den besetzten Gebieten. Doch diesmal wählten die Initiatoren in Gaza den Land-Tag als Auftakt einer sechswöchigen Protestkampagne, die sich zugleich gegen die von Donald Trump für den 14. Mai angekündigte Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem richtet und die palästinensischen Rechte wieder auf die Tagesordnung setzen soll. Schon die Ankündigung versetzte israelische Militärs in Alarmbereitschaft.

Verteidigungsminister warnt

Die Armee verdoppelte das an der Gaza-Grenze stationierte Artilleriekontingent. 100 Scharfschützen wurden zusätzlich positioniert. Man müsse auf jeden Eventualfall eingestellt sein, hieß es. Verteidigungsminister Avigdor Lieberman schickte gestern sogar erstmals eine Warnung in Arabisch über Twitter raus: Man wolle Todesopfer vermeiden, aber wer sich heute dem Grenzzaun nähere, riskiere sein Leben. Doch die Eskalation schien programmiert. Am Abend wurden aus Gaza mindestens 15 Tote und rund 1400 Verletzte gemeldet. In der Nacht zum Karsamstag sollte der UN-Sicherheitsrat zusammentreten. Israel machte die radikalislamische Hamas verantwortlich, die zwar nicht als Veranstalter des Rückkehr-Marsches auftrat, ihn aber unterstützte. Ihre Führung, so ein Armeesprecher, suche die Konfrontation und nutze dafür in zynischer Weise Zivilisten aus. Sie habe sogar ein siebenjähriges Mädchen vorgeschickt, das von den Soldaten zum Glück als harmlos erkannt worden sei und so heil zurück zu seinen Eltern fand.