Politik

Trauerspiel

Stefan Vetter zum beschlossenen Pflegebonus

Die gute Nachricht ist: Altenpfleger bekommen wegen ihrer besonderen Leistungen in der Corona-Krise einen finanziellen Bonus. Die schlechte Nachricht: Seine Höhe hängt letztlich vom Wohn- oder Arbeitsort ab. Ob das bei den Betroffenen wirklich als die große Wertschätzung ankommt, von der im politischen Raum schon seit Wochen geschwärmt wird?

Dem Beschluss des Bundestages im Rahmen eines weiteren Anti-Pandemie-Gesetzes war ein unwürdiges Gezerre über die Frage vorausgegangen, wer die 1500 Euro pro Vollzeitkraft eigentlich bezahlen soll. Selbst jetzt herrscht darüber noch viel Unklarheit. Sicher sind bislang nur zwei Drittel der Summe. Dafür soll erst einmal die Pflegeversicherung gerade stehen. Wohlgemerkt: nur die gesetzliche, nicht die private (warum eigentlich?). Erst später will der Bund dann entscheiden, ob er mit Steuermitteln aushilft. Dabei handelt es sich doch im Kern um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Deshalb darf sie nicht allein an den Beitragszahlern hängen bleiben. Noch abstruser wird es, wenn der Bund zugleich an die Länder appelliert, das restliche Drittel draufzulegen. Manche tun das schon aus eigenem Antrieb, andere schieben den Schwarzen Peter an die Arbeitgeber weiter. So wird der Pflege-Bonus zum politischen Trauerspiel. Mit einer Einmalzahlung ist den Pflegern nur bedingt gedient. Die meisten dürften eine anständige Entlohnung ihres Berufs vorziehen, hätten sie die Wahl.

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