Politik

Corona Zu viele Kontakte, zu viele Partys: In Österreich wütet die Pandemie – nun zieht Regierungschef Kurz die Notbremse

„Treffen Sie niemanden!“

Wien.Abgesagte Operationen, belegte Intensivbetten und gemessen an der Einwohnerzahl die höchste Rate an Neuinfektionen weltweit – Österreich hat die Corona-Pandemie extrem hart getroffen. Nun zieht die Regierung in Wien die Konsequenz: Zweieinhalb Wochen lang will Kanzler Sebastian Kurz das öffentliche Leben stillstehen lassen – falls die Zahlen bis dahin nicht nach unten gehen, auch länger. Bei seinem Appell an die Bevölkerung griff er zu drastischen Worten: „Treffen Sie niemanden!“ Jeder soziale Kontakt sei einer zu viel.

Vorbild für den Lockdown ist Tschechien: Wie bereits im Frühjahr liegt Österreich in der Pandemie-Entwicklung zwei Wochen hinter dem Nachbarland. Tschechien musste wegen einer galoppierenden Ausbreitung bereits vor Wochen harte Maßnahmen einführen. Mittlerweile sinken die Zahlen wieder. Wien hofft nun auf die gleiche Entwicklung in Österreich.

Neben strengen Kontaktbeschränkungen und geschlossenen Geschäften setzt Österreichs Regierung aber auch auf den Schnelltest: Das kündigte Kurz am Sonntag in einem Interview des Senders ORF an. Er berief sich auf die Erfahrungen der Slowakei, wo an zwei Wochenenden ein Großteil der 5,5 Millionen Einwohner getestet und Zehntausende Corona-Infizierte in Quarantäne geschickt wurden.

„Das ist ein absolutes Erfolgsbeispiel, und wir haben uns entschieden, hier in Österreich einen ähnlichen Schritt zu machen“, sagte Kurz. „Wir werden einerseits diese Massentests in gewissen Gruppen, zum Beispiel bei Lehrerinnen und Lehrern, aber auch bei anderen Gruppen nutzen, um mit dem 7. Dezember möglichst sicher wieder aufsperren zu können“, sagte Kurz. Vor Weihnachten sollen die Massentests wiederholt werden. Schnelltests seien mittlerweile in millionenfacher Stückzahl am Markt verfügbar.

Der grüne Gesundheitsminister Rudolf Anschober erklärte, die zweite Welle sei „gewaltiger und dynamischer“ als die erste im Frühling. „Wenn wir jetzt nicht handeln“, werde es zu einer Triage in den Kliniken kommen, einem System, bei dem Ärzte entscheiden, welche Notfallpatienten zuerst behandelt werden und wem nicht mehr zu helfen ist.

Ziel sei, dass mehr Menschen von den Intensivstationen entlassen werden als aufgenommen, sagte Vizekanzler Werner Kogler (Grüne). Der Reproduktionsfaktor – die Anzahl der Menschen, die durch eine Person infiziert werden – müsse unter eins sinken. Erst wenn beides erreicht sei, würden die Maßnahmen wieder gelockert.

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