Politik

Wahlen Partei des kanadischen Premierministers stärkste Kraft

Trudeau siegt – aber mit Verlusten

Archivartikel

Ottawa.Trotz einer deutlichen Schwächung und dem Verlust der absoluten Mehrheit kann Premierminister Justin Trudeau als Chef einer liberalen Regierung in Kanada weitermachen. Einem ersten vorläufigen Endergebnis zufolge errang seine Partei bei der Wahl am Montag 157 Sitze im Parlament in Ottawa, wie die nationale Wahlbehörde mitteilte. Damit blieb die Regierungspartei des 47-Jährigen deutlich unter ihren 184 Mandaten von 2015 – für eine absolute Mehrheit wären 170 Sitze nötig gewesen.

„Wir werden zusammen vorwärtsgehen in eine bessere Zukunft“, sagte Trudeau am frühen Dienstagmorgen in seiner Ansprache vor Anhängern in Montréal. Sein Team werde für alle Kanadier kämpfen. Die Konservativen lagen aufgrund des Direktwahlsystems mit 121 Mandaten deutlich hinter den Liberalen, obwohl sie insgesamt die meisten Stimmen erhielten.

Das Ergebnis bedeutet, dass die Liberalen zum Regieren nun die Duldung kleinerer Parteien brauchen und sich aktiv Mehrheiten suchen müssen, beispielsweise bei den Sozialdemokraten oder dem erstarkten regionalen Bloc Québécois. Die Partei der frankophonen Minderheit errang mit 32 Sitzen im Parlament (2015: 4) einen großen Sieg. Minderheitsregierungen sind in Kanada nichts Ungewöhnliches, haben in der Regel aber eine kürzere Halbwertszeit als Kabinette, die sich auf eine absolute Mehrheit stützen.

Konservative „in Lauerstellung“

An seine Kritiker gewandt sagte der 47-jährige Trudeau in der Nacht zum Dienstag vor Unterstützern, er habe ihre Enttäuschung vernommen und werde sicherstellen, dass ihre Stimmen gehört werden. Die liberale Regierung werde fortsetzen, was sie in den vergangenen vier Jahren begonnen habe. Dazu gehörten der Kampf gegen den Klimawandel und gegen die Waffengewalt.

Der konservative Spitzenkandidat Andrew Scheer gab sich kämpferisch gegenüber Trudeau: „Seine Führung ist angeschlagen, und seine Regierung wird bald vorbei sein“, sagte er. Und wenn sie falle, würden die Konservativen bereitstehen. „Wir sind die Regierung in Lauerstellung“. dpa

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