Politik

Terrorismus Knapp 100 Menschen sterben bei verheerendem Sprengstoffattentat in Somalias Hauptstadt Mogadischu

Trümmer, Tote und Verletzte

Archivartikel

Mogadischu.Bei einem der verheerendsten Sprengstoffanschläge der vergangenen Monate sind am Samstag in Somalias Hauptstadt Mogadischu knapp 100 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden. Viele Bewohner strömten zum Blutspenden in die Krankenhäuser. 16 Verletzte wurden am Sonntag zur medizinischen Behandlung in die Türkei ausgeflogen, teilte Regierungssprecher Ismail Omar mit.

Ein Ärzteteam helfe zudem vor Ort bei der Versorgung der Verletzten. Mit dem Militärtransporter, der am Sonntagmorgen in Mogadischu landete, wurden auch die Leichen der zwei getöteten türkischen Staatsbürger in ihr Heimatland überführt.

Augenzeugen hatten von einem Bild der Verwüstung gesprochen, nachdem ein mit Sprengstoff beladener Lastwagen an einem Kontrollpunkt in einem belebten Stadtviertel während des morgendlichen Berufsverkehrs in die Luft geflogen war. Obwohl es zunächst kein Bekennerschreiben gab, wird hinter dem Anschlag die terroristische Al-Shabaab vermutet.

Al-Shabaab kämpft in dem Land am Horn von Afrika seit Jahren um die Vorherrschaft. Die sunnitischen Fundamentalisten beherrschen Gebiete im Süden und Zentrum Somalias und verüben immer wieder Anschläge.

Weltweit wurde die Sprengstoffattacke scharf verurteilt. UN-Generalsekretär António Guterres forderte dazu auf, die Verantwortlichen für diese „schreckliche Verbrechen“ zur Rechenschaft zu ziehen und sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. „Unsere Haltung ist klar“, betonte EU-Ratspräsident Charles Michel auf Twitter, „Europa wird Afrika im Kampf gegen den Terrorismus weiter unterstützen.“

Russischer Beistand

Auch Russland verurteilte den „barbarischen Anschlag“. Der blutige Angriff von Extremisten habe offenbar darauf abgezielt, die Lage in Somalia zu destabilisieren, erklärte das Außenministerium in Moskau. Russland werde die Regierung Somalias weiterhin bei ihren Bestrebungen um eine Aussöhnung des Landes und bei den Vorbereitungen von Wahlen unterstützen.

Mogadischus Bürgermeister Omar Mohamed Filish hatte bereits kurz nach der Explosion von 90 Verletzten gesprochen, darunter auch viele Studenten. Obwohl die genaue Opferzahl noch immer nicht feststeht, gehen die Behörden mittlerweile von mindestens 124 Verletzten aus. Offenbar sind auch Polizisten unter den Toten.

Die Explosion ereignete sich im Westen der Stadt in der Nähe einer Steuerbehörde. Über dem Ort der Explosion – einer großen Kreuzung – stand weithin sichtbar eine große Rauchwolke. Durch die Wucht der Detonation wurden auch zahlreiche Gebäude beschädigt. Noch Stunden später suchten Anwohner dort verzweifelt nach Opfern.

Eselskarren mit Verwundeten

„Die Gegend war voller Menschen, die zur Schule oder zum Einkaufen in die Stadt fuhren, als sich der schreckliche Anschlag ereignete“, sagte Regierungssprecher Mukhtar Omar. Nach Polizeiangaben wurden durch die Explosion am frühen Morgen auch zwei Minibusse mit Schulkindern an Bord schwer beschädigt. Augenzeugen berichteten von aufgerissenen Karosserien und zerfetzten Fahrzeugen. Verzweifelt versuchten einige der Helfer, Verwundete auf Eselskarren oder Fahrrädern in die nächstgelegenen Krankenhäuser zu bringen.

Als Reaktion auf den Bombenanschlag sind Medienberichten und dem Geheimdienst zufolge bei Drohnenangriffen mehrere Mitglieder der Al-Shabaab getötet. Unter den Toten soll ein ranghohes Führungsmitglied der Terrormiliz sein. Die Angriffe fanden nahe dem Ort Kunya-Barow statt. dpa

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