Politik

Präsidentschaftswahl Der CDU-Außenexperte Jürgen Hardt ist überzeugt, dass die Mobilisierung der eigenen Anhänger über den Ausgang entscheidet

„Trump ist zunehmend ein Getriebener“

Archivartikel

Berlin.Nur noch 96 Tage sind es bis zur Präsidentschaftswahl in den USA. Einige Politologen des Landes sehen Amtsinhaber Donald Trump unter anderem wegen des schlechten Corona-Krisenmanagements bereits sicher auf der Verliererstraße. Für den außenpolitischen Sprecher der Unionsfraktion, Jürgen Hardt, ist das Rennen noch nicht gelaufen.

Herr Hardt, ist die US-Wahl schon entschieden?

Jürgen Hardt: Vor vier Jahren um diese Zeit haben uns die gleichen Experten in Amerika gesagt, dass Trump gegen Hillary Clinton keine Chance habe. Es kam bekanntlich anders. Deshalb sollte man bei solchen Prognosen sehr vorsichtig sein. Allerdings muss man auch klar sehen, dass Donald Trump in der innenpolitischen Debatte seines Landes zunehmend ein Getriebener ist. Er reagiert nur noch auf gesellschaftliche Entwicklungen. Das ist in den fast vier Jahren seiner Präsidentschaft neu.

Was ist die Ursache für Trumps Popularitätsverlust?

Hardt: Seine eigenen Anhänger zeigen sich vor allem irritiert von den Richtungswechseln, die der Präsident während der letzten Wochen in seiner Corona-Politik vorgenommen hat. Obendrein sind viele US-Bürger irritiert über die Rigorosität, mit der Donald Trump seine politischen Gegner und die antirassistische Bewegung Black Lives Matter attackiert. Auch Menschen, die ihm politisch eher nahe stehen, haben deshalb Zweifel, ob Trump die Stimmung im Land noch richtig deutet.

Welche Rolle spielen die wirtschaftlichen Probleme?

Hardt: Trumps Popularität in den USA gründet vor allem auf dem Florieren der heimischen Wirtschaft. Wenn dieser Nimbus anhaltend ins Rutschen kommt, wird es tatsächlich schwer für ihn, am 3. November wieder gewählt zu werden. Ich könnte mir daher auch vorstellen, dass sein demokratischer Herausforderer Joe Biden Punkte im Wahlkampf macht, wenn er einen engeren wirtschaftlichen und politischen Schulterschluss mit Europa betonen würde. Das hat Trump sehr vernachlässigt.

Was würde sich ändern mit Biden?

Hardt: Biden setzt anders als Trump klar auf das transatlantische Sicherheitsprojekt, aber eben auch auf die westliche Wertegemeinschaft. Darauf können die Europäer bauen. Allerdings muss Deutschland offensiver und auch kompromissbereiter auf die USA zugehen, insbesondere bei Handelsfragen und dem deutschen Beitrag zu den gemeinsamen Verteidigungsanstrengungen. Der Vorwurf Trumps, wir würden zu wenig für die Verteidigung ausgeben, ist ja nicht von der Hand zu weisen.

Was könnte Trump helfen?

Hardt: Wahlen in den USA werden zuallererst durch die Mobilisierung der eigenen Anhänger gewonnen. Das war das Problem von Hillary Clinton vor vier Jahren. Viele potenzielle Wähler der Demokraten sind damals einfach zuhause geblieben. Sollte das auch bei Biden so sein, dann könnte es eng werden. Auch ein vermeintlicher oder tatsächlicher Skandal um Biden kann wahlentscheidend sein. Aber das gilt natürlich genauso für Trump. Und dann sollte man auch die geplanten TV-Duelle zwischen ihm und Biden nicht unterschätzen, falls einer von beiden überraschend schwach abschneidet oder sich gar blamiert.

Zum Thema