Politik

Pandemie US-Präsident gibt Demonstranten Verantwortung für Corona-Krise / Zahlen steigen immer weiter an

Trump: Proteste schuld an Infektionen

Archivartikel

Washington.US-Präsident Donald Trump hat die Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt mitverantwortlich für die jüngste Zuspitzung der Corona-Pandemie gemacht. „Die Fälle begannen unter jungen Amerikanern kurz nach Demonstrationen anzusteigen“, sagte Trump im Weißen Haus. Die Demonstrationen hätten „vermutlich landesweit eine breitere Lockerung der Eindämmungsmaßnahmen ausgelöst“. Die USA müssen infolge der Pandemie inzwischen schon mehr als 143 000 Tote beklagen.

Trump selbst hatte in der Corona-Krise schon früh auf eine rasche Rückkehr zum Normalbetrieb und auf die Wiedereröffnung der Wirtschaft gedrängt. Der republikanische Präsident, der im November wiedergewählt werden will, betont immer wieder die negativen Auswirkungen der Eindämmungsmaßnahmen. Zudem hielt er im Juni gegen den Rat von Gesundheitsexperten eine Wahlkampfveranstaltung vor Tausenden Anhängern in einer geschlossenen Halle ab.

Lokale Gesundheitsbehörden in Tulsa im US-Bundesstaat Oklahoma führten den Anstieg der Coronavirus-Infektionen im Bezirk auch auf diesen Wahlkampfauftritt zurück. Es gibt dagegen keine endgültigen Belege dafür, dass die Demonstrationen im Freien nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz Ende Mai zu einem signifikanten Anstieg der Neuinfektionen geführt hatten.

Die Pandemie in den USA ist alles andere als ausgestanden. Die Behörden meldeten in den vergangenen zwei Wochen zwischen 60 000 und 77 000 Neuinfektionen pro Tag. Am Mittwoch verzeichneten die Forscher der Johns-Hopkins-Universität mehr als 71 000 Neuansteckungen und fast 1300 Tote binnen 24 Stunden. Besonders betroffen sind Bundesstaaten im Süden und Westen des Landes, darunter Texas, Florida und Kalifornien.

Insgesamt wurden in den USA fast vier Millionen Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2 nachgewiesen. Kalifornien – der bevölkerungsreichste US-Bundesstaat – verzeichnete am Mittwoch einen Höchststand an nachgewiesenen Neuinfektionen innerhalb eines Tages: mehr als 12 800. Laut Gouverneur Gavin Newsom wurden seit Beginn der Pandemie insgesamt 413 576 Infektionen verzeichnet. Damit hat Kalifornien in absoluten Zahlen mehr bekannte Fälle als der einstige Corona-Hotspot New York.

Verweis auf Mexiko

Trump hatte die hohe Zahl der Infektionen immer wieder auf die ausgeweiteten Tests zurückgeführt. Am Dienstag gestand er ein, dass es in den vergangenen Wochen einen „besorgniserregenden Anstieg“ an Fällen gegeben habe. Trump führte am Mittwoch neben den Demonstrationen auch die erhebliche Zunahme von Reisen, Zusammenkünfte an Feiertagen und Treffen junger Leute in Bars und an Stränden als Begründung dafür an. Zudem deutete Trump an, dass sich die Lage im südlichen Nachbarstaat Mexiko negativ auf die Situation der USA auswirke. dpa

Zum Thema