Politik

Coronavirus US-Präsident äußert in Rede an die Nation Schuldzuweisungen / Briten und Iren von Einreiseverbot ausgenommen

Trump sperrt Europäer aus

Archivartikel

Washington.Das Coronavirus ist längst in den USA angekommen, doch während Bundesländer und Zivilgesellschaft Maßnahmen ergreifen, um die weitere Verbreitung des Virus einzudämmen, scheint die US-Regierung den Ernst der Lage noch nicht in Gänze erfasst zu haben. In einer Rede an die Nation sprach Trump von „einer kurzen Zeit, die wir als Nation und als Welt überwinden werden“. Er kündigte eine Reihe von Maßnahmen an, die vor allem den 27 Millionen Amerikanern ohne Krankenversicherung helfen sollen, für medizinische Behandlungen zu bezahlen.

Trump sagte weiter, ein „ausländisches Virus“ verbreite sich in den USA, „der aus China kommt und sich nun in der ganzen Welt verbreitet“. Zur Begründung sagte er: „Die EU hat es versäumt, die gleichen Vorsichtsmaßnahmen (wie die USA) zu treffen und Reisen aus China und anderen Krisenherden einzuschränken.“ Das habe zu einer Ausbreitung des Virus auch in den USA geführt. Trump beruhigte: Keine andere Nation sei „so sehr vorbereitet und widerstandsfähiger als die Vereinigten Staaten“.

Um die Amerikaner zu schützen, werde ab Freitag ein 30-tägiges Reiseverbot für Personen in Kraft treten, die sich in den vergangenen zwei Wochen in der Europäischen Union aufgehalten haben. Davon ausgenommen seien Briten und Iren sowie Staatsbürger und Personen mit unbefristetem Aufenthalt. Die US-Regierung erwägt, alle EU-Staaten die Risiko-Kategorie III zuzuordnen, die bisher für Staaten wie Italien, China und Südkorea gilt. Das Außenministerium riet allen Amerikanern, Reisen wegen des Covid-19-Virus „in alle Länder“ zu bedenken. Das ist das zweitstärkste Warnniveau nach der Empfehlung „nicht zu reisen“.

Wertvolle Zeit verloren

Statt die Amerikaner zu beruhigen und einen glaubwürdigen Kurs auszugeben, trug der Präsident mit seiner Ansprache zur weiteren Verunsicherung bei. Zumal die Bundesstaaten und amerikanische Zivilgesellschaft längst anders reagieren als die Trump-Regierung, die nach den ersten Diagnosen in China wertvolle Zeit verlor. Statt aggressiv Test-Kits für das Virus zu verbreiten und eine Strategie der „sozialen Distanzierung“ zu empfehlen, spielten der Präsident und seine Minister die Gefahr herunter. Der Gouverneur des besonders stark betroffenen Bundesstaats Washington, Jay Inslee, verglich die erwarteten Konsequenzen der am Mittwoch von der Weltgesundheitsorganisation WHO zu einer ,,Pandemie“ erklärten globalen Virus-Krise mit einem Erdbeben. Es sei ,,völlig inakzeptabel“ jetzt noch in Bars und Restaurants zu gehen. ,,Wir erwarten einen großflächigen Ausbruch, und das wird sehr schwierig werden.“

In schneller Folge sagten die Veranstalter von Großevents Konzerte und Kongresse ab. In vielen Bundesstaaten sind nun Versammlungen von mehr als 1000 Personen untersagt. Eine große Anzahl von Universitäten, darunter so renommierte Institutionen wie Harvard, stellen auf Online-Unterricht um. Dasselbe gilt für immer mehr Schulen bis hin zum Besuchsverbot in Pflegeheimen. Während Trump sich aus dem „Oval Office“ an die Nation wandte, rief die Bürgermeisterin des Districts of Columbia, in dem das Weiße Haus steht, Muriel E. Bowser, den Notstand aus. Am Donnerstag bestätigte auch der US-Kongress seinen ersten Fall. Bei einem Mitarbeiter im Senat konnte das Virus nachgewiesen werden. Seine Chefin, die Senatorin von Washington State, Maria Cantwell, nahm das zum Anlass, einen Appell an Trump zu richten. „Wir testen nicht genug in meinem Staat und in der Nation“, bat sie um Hilfe. „Testen Sie mehr und schneller und stellen Sie die Informationen bereit, damit wir etwas dagegen tun können.“

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