Politik

Vorstoß US-Präsident will Russland wieder an den Tisch der wichtigsten Wirtschaftsmächte holen

Trump treibt Keil zwischen G7-Staaten

La Malbaie.Das Lächeln der beiden Staatsmänner beim Händeschlag vor den saftig grünen Hügeln Quebecs wirkte ein wenig gequält. Justin Trudeau, der Gastgeber des G7-Gipfels im vornehmen „Fairmont Le Manoir Richelieu“-Hotel in Charlevoix, gab sein Bestes, sich die Verärgerung über Donald Trump nicht anmerken zu lassen.

Auch von der im April noch zur Schau gestellten „Bromance“ zwischen dem US-Präsidenten und dem französischen Staatschef Emmanuel Macron war beim Auftakt des Treffens der Führer der sieben wichtigsten Industrienationen nicht viel zu spüren. Zu Verstimmung führte auch die Ankündigung des US-Präsidenten, sich den zweiten Tag des Gipfels zu schenken. Um einen Eklat zu vermeiden, zogen die Gipfelteilnehmer das Gruppenbild mit Trump vor. Bereits am Samstag früh wollte Trump zu dem für Dienstag geplanten Gipfel mit Kim Jong-Un nach Singapur aufbrechen.

Analysten sehen in der demonstrativen Abreise ein Symbol für den Abschied der USA aus der westlichen Werte-Gemeinschaft. „Die Leute müssen aufwachen und verstehen, dass Donald Trump Vertrauen und Einfluss überall auf der Welt unterminiert“, schlägt Steven Clemons von der „New America Foundation“ Alarm. „Das wird mit Kosten verbunden sein“. „Er hat nettere Dinge über den Diktator zu sagen als über die engsten Freunde der USA“, sagt MSNBC-Moderatorin Chris Jansing über die Breitseiten, die Trump vor dem G7-Treffen abfeuerte. Und über Wladimir Putin, dessen Rückkehr in die illustre Runde er vor seiner Abreise nach Kanada gefordert hatte. „Russland sollte am Verhandlungstisch sitzen“. Und zwar ohne jedwede Vorbedingung.

Russland war 2014 ausgeschlossen worden, weil es mit militärischer Gewalt den Anschluss der Krim erzwungen hatte. Wegen der ersten gewaltsamen Grenzänderung in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg bestand bisher Konsens, dass eine Rückkehr so lange ausgeschlossen bleibe, bis die Annexion des ukrainischen Staatsgebiets rückgängig gemacht werde.

Macron führt Kritiker an

Unisono wiesen Europäer und Kanadier in Charlevoix das Ansinnen zurück, Russland einfach so wieder aufzunehmen. Macron führte die Kritiker in Kanada an. Dann werde es eben ein Kommuniqué ohne die USA geben, sagte er zu dem Schlussdokument, dessen Inhalt zu Beginn des Treffens nicht einmal in den Grundzügen stand. Hauptstreitpunkte in Charlevoix bleiben Strafzölle und Handelsprotektionismus, die Aufkündigung des Atomabkommens mit Iran und der Ausstieg aus dem Klimaabkommen.

Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow sorgte für massive Verstimmung als er das auf Regeln basierte System für „Kaputt“ erklärte. „Multilaterale internationale Organisationen werden die amerikanische Politik nicht bestimmen“. Wie sehr der Präsident selber auf Krawall in Quebec gebürstet ist, machte er vor der Abreise klar: „Ich freue mich darauf die unfairen Handelsabkommen mit den G7-Ländern auszubügeln.“

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