Politik

Trumps respektloser Umgang mit den eigenen Diplomaten

Die Mitarbeiter im Auswärtigen Dienst und im Außenministerium der USA fühlen sich von ihrem obersten Dienstherrn hintergangen. Gerade das ist aber die Strategie des Chefs im Weißen Haus.

Gut ist die Stimmung im Washingtoner State Department schon lange nicht mehr. "Früher liebte ich meinen Job. Heute fühlt es sich an wie ein Krankenhausbesuch bei einem sterbenden Angehörigen", zitierte das Magazin "The Atlantic" jüngst einen Mitarbeiter des US-Außenministeriums.

Der sinkende Einfluss, die massiven Kürzungen und der eigenartige Führungsstil des öffentlichkeitsscheuen Außenministers Rex Tillerson drücken den Diplomaten aufs Gemüt. Nun aber hat Präsident Donald Trump seinen Auslandsexperten endgültig gezeigt, was er von ihnen hält. "Ich begrüße das wirklich sehr", kommentierte er in seinem Urlaubsort Bedminster die Ausweisung zahlreicher Mitarbeiter der US-Botschaft in Moskau. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte als Revanche für neue Sanktionen gefordert, dass die Vertretung ihr Personal bis September um 755 Männer und Frauen reduzieren muss. Statt zu protestieren, sagte Trump nun: "Ich möchte ihm danken. Wir werden eine Menge Geld sparen."

Erfahrene Mitarbeiter des Auswärtigen Dienstes trauten ihren Ohren nicht. "Das ist beschämend", protestierte etwa Nicholas Burns, der unter George W. Bush als Außen-Staatssekretär arbeitete, gegen die "Respektlosigkeit, mit der Diplomaten vom Präsidenten behandelt werden". Hinter vorgehaltener Hand wurden auch aktive Beamte deutlich. "Ungeheuerlich" sei die Bemerkung, sagte einer von ihnen dem Magazin "Politico". Ein anderer wetterte: "Ich habe keine druckfähigen Worte, um meine Reaktion zu beschreiben."

Tatsächlich drückt Trumps Bemerkung seine ganze Verachtung für das Geschäft des wohlüberlegten Verhandelns aus. In der aktuellen Nordkorea-Krise sind die Diplomaten völlig an den Rand gedrückt. Trump schoss seine apokalyptische "Feuer-und-Wut"-Rede gerade zu dem Zeitpunkt ab, als UN-Botschafterin Nikki Haley mit einem einstimmigen Sanktionsbeschluss des Sicherheitsrats einen großen diplomatischen Erfolg errungen hatte und Außenminister Tillerson in Asien schwierige Gespräche über eine möglichst friedliche Eindämmung des Konflikts führte.

Maßregelung des Ministers

Bei einer kurzen Presseunterrichtung auf dem Heimflug wirkte Tillerson, als befände er sich im falschen Film. Ausdrücklich wiederholte er seine Einschätzung, dass vom nordkoreanischen Regime derzeit keine akute Bedrohung ausgehe.

Am nächsten Tag musste sich der Außenminister von Sebastian Gorka, einem Berater von Trump, demütigen lassen. "Sie sollten auf den Präsidenten hören", riet der Hardliner aus dem Weißen Haus und ergänzte in Richtung eines Journalisten: "Es ist einfach unsinnig, dass Außenminister Tillerson militärische Fragen diskutiert." Zwar konterte Tillersons Sprecherin Heather Nauert beleidigt: "Er ist ein Kabinettsmitglied. Er ist der viertwichtigste Minister" und setzte unter Anspielung auf eine auf Präsident Theodore Roosevelt zurückgehende Umschreibung für eine machtvolle Außenpolitik hinzu: "Er trägt einen großen Knüppel."

Tatsächlich schrumpft der diplomatische Prügel aber gerade zu einem Stöckchen. Im Etat-Entwurf von Präsident Trump muss das State Department mit seinen weltweit 70 000 Beschäftigten besonders stark bluten. Fünf der sieben Staatssekretärsposten im Washingtoner Bezirk Foggy Bottom sind derzeit verwaist. Rund um den Globus sind immer noch 60 Botschafterposten vakant -darunter die in Kanada, Deutschland und Südkorea. Trump hat es mit den Neubesetzungen offensichtlich nicht eilig.

Unter diesen Umständen ist der diplomatische Apparat der Vereinigten Staaten von Amerika nur noch bedingt geschäftsfähig. Das dürfte erst recht für die Botschaft in Moskau gelten, wo rund 1200 Menschen vom Gesandten bis zu mindestens 26 Geheimdienstleuten arbeiten. Nur gut ein Viertel der Angestellten sind US-Amerikaner, der Rest hat lokale Verträge. Noch ist unklar, wie sich die 755 abzubauenden Stellen verteilen.

Wenig Sinn für Diskretion

Während die US-Abgesandten anderswo auf der Welt weiterbeschäftigt würden, könnte Trump die Ortskräfte tatsächlich mit einer Abfindung von der Gehaltsliste streichen. Die damit verbundene demonstrative Missachtung der diplomatischen Arbeit stört den Präsidenten nicht. Er setzt ohnehin auf verbales Säbelrasseln statt diskreter Verhandlungen.

Das zeigt sich extrem in der Nordkorea-Krise. Stolz behauptet man in Trumps Umfeld, dessen martialische Sprache werde vom Herrscher Kim Jong Un verstanden. Entsprechend legte der Präsident gestern Morgen noch einmal nach. "Militärische Lösungen sind nun voll einsatzfähig, wir stehen Gewehr bei Fuß, sollte Nordkorea unklug handeln", drohte er kurz nach dem Aufstehen - per Twitter - offen mit einem Militärschlag.

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