Politik

Migration Im Kampf gegen Schleuser in der Ägäis setzen Grenzschützer Wärmebildkameras ein

Überwachung auch aus der Luft

Archivartikel

Athen.Im Kampf gegen Menschenschmuggel aus der Türkei über die Ägäis setzen die griechischen Grenzschützer eine neue Technik ein: Seit Dienstag schwebt über der Meerenge zwischen der türkischen Küste und der griechischen Insel Samos ein Luftschiff. Es ist mit Wärmebildkameras und anderen Beobachtungsgeräten ausgerüstet. Der 35 Meter lange Flugkörper ist unbemannt und mit einem Seil an der Küste von Samos fest verankert. Das Luftschiff, das den Griechen von der EU-Grenzschutzagentur Frontex zur Verfügung gestellt wurde, soll aus einer Höhe von rund 1000 Metern 24 Stunden am Tag die Meerenge überwachen.

Seit einigen Monaten steigt die Zahl der Schutzsuchenden, die aus der Türkei zu den griechischen Inseln kommen: Im März waren es 1904, im Juni bereits 3122. Im Juli dürfte die Zahl nochmals gestiegen sein. Von der türkischen Küste bis zur griechischen Insel Samos sind es nur ein paar Kilometer. Kein Wunder, dass die Meerenge zu den bevorzugten Routen gehört, auf denen Menschenschmuggler irreguläre Migranten in die Europäische Union zu bringen versuchen.

2019 mehr als 50 Todesfälle

Die Überfahrt ist kurz, aber nicht ungefährlich: Immer wieder geht eines der meistens überladenen Schlauchboote unter. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind im vergangenen Jahr mindestens 2275 Menschen bei der Fahrt über das Mittelmeer ertrunken. Allein in diesem Jahr gab es in der Ägäis bereits über 50 Todesfälle. Die Überwachung aus der Luft dient also auch dem Schutz der Flüchtlinge. Der für die Migrationspolitik zuständige Vizeminister Giorgos Koumoutsakos sagte, mit den Kameras des Luftschiffes könne man Flüchtlingsboote bereits entdecken, wenn sie an der türkischen Küste ablegen. Man werde in solchen Fällen die türkischen Behörden unterrichten, damit die Küstenwache des Nachbarlandes die Schleuser noch in den türkischen Hoheitsgewässern stoppen könne. Ob und wie das in der Praxis funktioniert, soll sich in den nächsten Wochen zeigen. Der Einsatz des Luftschiffes ist zunächst auf 28 Tage begrenzt. Nach dieser Testphase will man eine erste Bilanz ziehen. Der Erfolg des neuen Konzepts wird davon abhängen, ob die Türkei mitzieht. Nach eigenen Angaben hat die türkische Küstenwache seit Anfang 2015 fast 135 000 Flüchtlinge und Migranten an der Überfahrt zu den griechischen Inseln gehindert. Seit Beginn dieses Jahres wurden 18 320 Menschen in türkischen Hoheitsgewässern aufgegriffen, fast 3000 mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Küstenwache nahm 32 Schleuser fest.

Die EU hat in Zusammenarbeit mit der Uno-Migrationsagentur IOM insgesamt 20 Millionen Euro für die Modernisierung der türkischen Küstenwache bereitgestellt. Mit dem Geld wurden unter anderem 2016 sechs Patrouillenboote beschafft. Im Juni bestellte die türkische Küstenwache weitere neun Boote. Auch diese Schiffe werden von der EU finanziert.

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